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Düsseldorf
Kamin im russischen Jugendstil

Düsseldorf. Das Moskauer Museum Kolomenskoje hat dem Hetjensmuseum einen Teil seiner keramischen Schätze für eine Ausstellung geliehen. Die Schau ist Auftakt eines russischen Kultur-Winters in der Landeshauptstadt. Von Bertram Müller

Der "Russische Winter", der den Düsseldorfern bevorsteht, ist zum Glück weder eine Wettervorhersage noch gar ein Ausläufer des Kalten Kriegs. Ungeachtet der derzeitigen politischen Spannungen zwischen Europa und dem großen Nachbarn im Osten setzt sich der Kulturaustausch zwischen Düsseldorf und seiner Partnerstadt Moskau fort - als Folge langjähriger guter Beziehungen. Am Anfang steht jetzt eine Ausstellung im Hetjensmuseum: "Moskauer Glanz der Zarenzeit".

Die Schau umfasst nur wenige Objekte, doch selbst wenn sie noch kleiner wäre und sich auf ihr kostbarstes Stück beschränkte, wäre sie einen Besuch wert. Die vom russischen symbolistischen Künstler Michail Wrubel Ende des 19. Jahrhunderts entworfene Kaminverkleidung mit Motiven der Helden aus dem russischen Epos "Mikula und Wolga" hat ihren Standort zum ersten Mal verlassen. Die bewegten farbigen Szenen in Gestalt eines wilden, unregelmäßigen Mosaiks sind normalerweise im Moskauer Museum Kolomenskoje zu sehen. Das Haus hütet die umfangreichste Sammlung russischer Dekorationskeramik, Stücke aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.

Von Wrubel stammt auch das zweite zentrale Werk der Ausstellung: der plastische Kopf einer Löwin, der in der Künstlerkolonie Abramzewo nahe Moskau nach Wrubels Modell entstand. Abramzewo machte sich im 19. Jahrhundert als Gegenpol zur traditionellen St. Petersburger Akademie einen Namen, als Ort des Aufbruchs. Die sogenannten Wandermaler, russischer Impressionismus und Symbolismus nahmen von dort ihren Ausgang. Wrubels Löwenkopf wurde zum Markenzeichen der Werkstatt.

Bis ins 19. Jahrhundert spielte sich ein Großteil des russischen Kulturlebens in Klöstern ab. Das spiegelt sich auch in der Ausstellung wider. Eine keramische Ikone des Evangelisten Lukas aus dem 17. Jahrhundert, die dort zu sehen ist, hing einst in der Kathedrale des Moskauer Danilow-Klosters. Eine dunkle Eckkachel mit Doppeladler zierte ehedem die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Kostroma.

Andere Kacheln und Fliesen weisen einen weltlichen Bezug auf. Zum Beispiel Kacheln der heute nicht mehr bestehenden Zentralapotheke am Roten Platz in Moskau aus der Zeit Peters des Großen.

Der Zar hatte auf seinen Reisen im Westen festgestellt, wie sehr farbige Kacheln ein Gebäude aufwerten, und sich für die Verbreitung dieser auch repräsentativen Kunst in seinem Reich eingesetzt. Moskaus bekannteste Keramik-Fassade ist nicht weit von der untergegangenen Apotheke entfernt: die Haut der Basilius-Kathedrale.

Schon im 15. Jahrhundert war, gleichfalls angeregt durch den Westen, in Moskau Baukeramik gefertigt worden; erst unglasierte, dann zunehmend grün glasierte, und schließlich mehrfarbige. Durch die Jahrhunderte sorgten Zaren, Bojaren, wohlhabende Kaufleute und Kirchenvorsteher dafür, dass die Tradition fortbestand. Geometrie, Figürlichkeit und Ornamentik waren gleichermaßen gefragt.

Aber auch das 20. Jahrhundert hat sich mit Kacheln in Moskau ein zeitgemäßes Denkmal gesetzt: Ein Modell der prächtigen U-Bahn-Station Taganskaja vermittelt einen Eindruck davon, wie die Sowjetunion der 50er Jahre ihren Untertanen unter Tage ein Gefühl vermittelte, das ihnen im Alltag versagt blieb: Erhabenheit.

Quelle: RP
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