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Düsseldorf
Kastens Kunst leuchtet lichterloh

Düsseldorf: Kastens Kunst leuchtet lichterloh
Sie durchglühen den ganzen Ausstellungsraum: Barbara Kastens sieben Elemente aus farbigem Plexiglas, übereinandergestapelt zum perfekten Schattenwurf. FOTO: Bosetti
Düsseldorf. Die Sammlung Philara hat die berühmte US-Künstlerin Barbara Kasten eingeladen, die eine Übersichtsschau ihres Werkes zeigt. Von Annette Bosetti

Gil Bronner hat Barbara Kasten nach Düsseldorf eingeladen. Und er hat gut dran getan, da hierzulande die amerikanische Künstlerin vielleicht nicht so bekannt ist wie im englischsprachigen Raum. Bronner fing Feuer für sie in der Galerie Kadel & Willborn, die der 81-Jährigen vor zwei Jahren eine Einzelausstellung ausrichtete. Auch im Kai 10 war Kasten tonangebend ausgebreitet. Wer einmal ihre farbigen, ungewöhnlich hergestellten Arbeiten sieht, die formal Zwitter aus Fotografie, Bildhauerei und Malerei sind, vergisst sie so schnell nicht wieder. Jetzt besteht Gelegenheit, eine umfangreiche Werkübersicht in Augenschein zu nehmen in Bronners Kunstsammlungshaus Philara.

Seit zwei Wochen schon hält sich Kasten in Düsseldorf auf, wo sie sich ganz zu Hause fühlt. Sie liebe die Stadt, sagt sie, und die Stadt liebe sie. "Compact and sophisticated" sei Düsseldorf im Vergleich zu Chicago, alles liege schön nah beieinander. Besonders die Langen Foundation und die Insel Hombroich mit ihren in die Landschaft geworfenen Pavillons haben es ihr angetan. Das wundert nicht, ist ihr Interesse als Künstlerin doch stark von Raumgefühl und architektonischem Kalkül geleitet - sie hätte ebenso Architektin oder Bühnenbildnerin werden können. Dabei stand zu Beginn ihres künstlerischen Weges die Malerei im Mittelpunkt, damals, als junge Kunststudentin, malte sie noch Menschen. Heute sind die Arbeiten menschenleer, dabei indes nicht seelenlos. Alles, was sie verbaut, mitunter auch dekonstruiert, ist von Menschenhand geschaffen.

Noch vor Eintritt in die "Parallels" genannte Ausstellung hängen drei stillere Pigmentdrucke aus dem Jahr 2007, damals brach für die Kunstprofessorin eine neue Zeit an. Plexiglas hat sie für die Komposition eingesetzt, manche Oberflächen sind zerkratzt. Das Material, das Kasten inspirierender Anlass zu ihrer Arbeit ist, soll Gebrauchsspuren tragen. Sie hat es arrangiert zu geometrischen Schnitten mit messerscharf wirkenden Kanten. Dabei führt das Licht Regie auf diesen Flächen, es akzentuiert und erweitert den Raum.

Am Ende ist der Schattenwurf entscheidend, sagt Kasten, und Abstraktion die angestrebte Aussage. Die Bildordnung wirkt konstruktivistisch, wie nicht aus dieser Zeit. Dabei klingt ihre Bewunderung für das Bauhaus und einen seiner Meister, Laszlo Moholy-Nagy, durch. Er habe ihr die Augen geöffnet, sagt Kasten über den Künstler, der als Maler, Fotograf, Bühnenbildner und Erfinder des Fotogramms stilprägend war. Später in der Ausstellung, bei den farbigen Polaroid-Tafeln anhaltend, wird man wiederum an Wassily Kandinsky erinnert werden. Ja, sagt, sie, das stimmt. Auch Kandinsky war für sie ein Großer.

Experimentiert hat Kasten lebenslang. Zu fast jedem Werk lassen sich Formprinzipien finden wie etwa die malerischen Elemente, die das Bild "Metaphase" prägen. Hinter dicke Glasbausteine setzt die Künstlerin einen Spiegel, dann richtet sie Spots aus farbigem Licht auf das Ensemble, das ein Puzzle aus Baurelikten ist. Das Glas bricht die Form, löst sie auf in malerische Effekte. Kasten bearbeitet alles vor der Linse ihrer altmodischen Großbildkamera, die ihr als Leinwand dient.

Wer sich zuviel in die Technik versenkt, wird des Reizes des Augenfälligen beraubt. Die Schau lebt von der Freude der Farben, die lichterloh in psychedelischen Collagen leuchten. In den Formen blitzen vergangene Stile durch, die weiterentwickelt sind. Barbara Kasten will nicht zurückschauen, sondern Schritt für Schritt nach vorne ziehen. Gerade erst entstanden ist die gestapelte Raumplastik aus sieben Farben, die so klangvoll sind wie die sieben Töne der Tonleiter.

Kasten ist eine Virtuosin beim Spiel auf der Farbskala. Dieses Spiel gewinnt noch an Reiz durch die irritierenden Schatten.

Quelle: RP
 
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