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Gastro-Tipp
Kleine Portionen auf bunten Tellern

Düsseldorf. Der ehemalige Sternekoch aus dem Victorian, Volker Drkosch, eröffnete mit dem Bread & Roses ein kleines eigenes Lokal in Flingern. Von Birgit Wanninger

Es ist gemütlich, aber eng. Kein Wunder: Beim Restaurant Bread & Roses handelt es sich um eine ehemalige Pommesbude. Diese ist inzwischen stylisch, aber nicht durchdesignt, sondern besitzt Charakter. Da spürt man die Handschrift von Susanne Schmitt, der Lebengefährtin des ehemaligen Sternkochs Volker Drkosch, der im Januar 2009 nach Düsseldorf kam und im Victorian an der Königstraße arbeitete - mit einer mehrköpfigen Kochbrigade. Drkosch, immer ein Perfektionist, arbeitet akribisch, sogar mit Pinzette, damit jedes Gericht ein Kunstwerk wird. Das hat er im Victorian so gemacht. Das macht er auch im "Bread & Roses" - diesmal aber in der offenen Küche für jeden Gast sichtbar. Dabei er die blütenweiße Kochjacke gegen ein dunkles T-Shirt getauscht. Denn es geht leger zu in dem kleinen Restaurant.

Unterstützung bekommt er von Antonia Majcenke, seiner Patissière, die aber selbstverständlich in der Küche mitwirkt. Mit zum Team gehören Lisa Hohlbein im Service und der ehemalige Restaurantleiter des Victorian (Sommelier des Jahres 2015) Michael Noack, der mit viel Grandezza und natürlich sachkundig wie eh und eh die Weinempfehlung in dem Restaurant mit gerade mal 30 Plätzen gibt. Michael Noack, eigentlich Rentner, hat den Weinkeller bestens bestückt. Die Weinkarte ist außergewöhnlich: Sie ist weder nach Rebsorten noch nach Anbaugebieten sortiert, sondern nach Geschmack. Ungewöhnlich auch: Noack kommt locker in offenem Hemd und Sporthose daher, vorbei sind die Zeiten des Smokings im Victorian. Das stellen auch die Stammgäste aus dem Haus an der Königsstraße fest, von den viele die den neuen Drkosch ausprobieren.

Das Konzept ist unkonventionell. Die Idee hat der Maître mit seiner Lebensgefährtin erarbeitet. So kommt nicht nur Außergewöhnliches auf den Teller, sondern auch die Teller sind außergewöhnlich - bunt gemischt für die verschiedenen Gänge. Teile des Geschirrs hat unter anderem auf Flohmärkten gekauft.

Die Speisekarte ist abwechslungsreich. Drkosch stellt einen hohen Anspruch an sich und an die Produkte. Wer auf der Speisekarte Vor- und Hauptspeisen sucht, der sucht vergeblich. Vielmehr gibt es Kategorien wie "Aus dem Glückslabor", "Moderne Klassik" oder "Süße Schweinereien". Sein Konzept: Jeder Gast soll sich die Gerichte selbst zusammenstellen. Drei davon benötigt der Gast schon, wer Hunger hat vier. Die Portionen sind nicht üppig. Das sollen sie auch nicht sein, sondern einzelne Gerichte.

Auch wenn der Küchenchef Drkosch ständig die Gerichte auf der Karte wechselt; er hat versprochen, dass die Umami Bolonaise (14 Euro) bleibt. Sie ist ein wahres Geschmackserlebnis, angereichert mit Pilzen, Rucola und Parmesan, manchmal mit Pinienkernen -- und das Fleisch stundenlang eingekocht. Das muss ein Bestseller werden. Auch der Tatar von der argentinischen Garnele (14 Euro) mit Avocado und Zitronensorbet überrascht auf der Zunge. Die Goldmakrele kommt als Sashimi. Drkosch verbindet oft Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen. Es ist eine kulinarische Reise durch unentdeckte Geschmackskompositionen. Für die Desserts zeichnet Antonia Majcenke verantwortlich. Sie hat ein Faible für Vanille. Ob Pfirsichsüppchen oder Zitronentarte - Süßes zum Abschluss ist ein Muss. Wer nicht selbst kombinieren möchte: Es gibt in vier und fünf Gängen (55/66 Euro) ein Überraschungsmenü, Drkosch nennt er "Unsere kulinarische Poesie". Recht hat er.

Quelle: RP
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