| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Kleiner Elefant geht auf große Reise

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Michael Engler hat jetzt den dritten Band seiner "elefantistischen" Kindergeschichten veröffentlicht. Von Sabine Schmidt

"Schreiben Sie eine Geschichte mit einem Elefanten": So lautete die Aufgabe, die ein Kinderbuchverlag Michael Engler vor fünf Jahren stellte. Für den Düsseldorfer Autor war das kein Problem. "Mein Kopf ist voller Ideen", erzählt er im Café Kasbah am Alten Hafen; und so dachte er sich den Stoffelefanten Timbo aus, der von einer Auftragsarbeit schnell zu einer Herzensangelegenheit wurde.

Im ersten Band - "Elefantastisch. Auf nach Afrika!" - findet ein Junge das Stofftier in einem Paket und erlebt eine Fantasiereise mit ihm. Aber das Paket, das Anton geöffnet hat, war eigentlich für das Nachbarmädchen, und er muss Timbo wieder abgeben. Doch dann kommt Luise mit dem Stoffelefanten zurück, und seitdem unternehmen sie ihre Reisen zu dritt.

Wer glaubt, dass Bücher für kleine Zuhörer ab vier nichts für einen Erwachsenen sind, erlebt mit Michael Engler etwas ganz anderes. Er liebt es, sich solche Geschichten auszudenken. "Man kann auch nie ganz sicher sein, ob die Reisen nur in der Fantasie stattfinden", meint er lächelnd mit Blick auf die erwachsenen Vorleser. Denn der neue, der dritte Band der "Elefantastisch"-Reihe endet mit einem Brief aus Indien: Versendet hat ihn der Elefant Jamal, und er schreibt davon, dass Timbo, Anton und Luise ihn tatsächlich besucht haben - und die Frage ist, was Fantasie und Realität ist und wie die Fantasie auf das Leben wirkt. Der Band beginnt damit, dass Timbo traurig ist, weil er nicht zu Jamals Geburtstag in Indien sein kann - und dann geht die Reise los. Erzählt wird sie in kurzen Bilderbuchtexten, an denen Michael Engler oft über Wochen feilt: "Ich lese mir die Zeilen laut vor, so wie Eltern das später auch tun werden, höre auf den Rhythmus und die Melodie." Das muss passen zu Timbo, Anton und Luise und dazu, dass die Kinder in ihre Fantasien für einen Moment weit weg sind.

Seine eigenen Erfahrungen mit dem Vorlesen daheim liegen schon eine Weile zurück; aber Engler kann sich gut daran erinnern: "Mein Sohn liebte Janoschs 'Oh, wie schön ist Panama', und das wollte er jeden Abend hören." Es sind schöne Erinnerungen trotz der Wiederholungen. Michael Engler gibt aber auch zu, dass er schon mal Bücher verschwinden ließ, weil er sie nicht mochte. "Das ist die Herausforderung, wenn man für Kinder schreibt: Geschichten zu erfinden, die nicht nur die kleinen Zuhörer fesseln, sondern ebenso den Vorlesern gefallen."

Mit "Elefantastisch" ist das gelungen. Die Reihe findet auch im Ausland Anklang und wird in fünf Sprachen übersetzt - unter anderem ins Englische und Russische. "Eine Buchhändlerin aus Colorado hat in einem Interview gesagt, dass sie ihrem Sohn jeden Abend daraus vorlesen muss", erzählt Michael Engler. Ihr macht das auch Spaß, und so wählte sie den Auftakt der Reihe zu ihrem Buch des Jahres.

Vorherzusehen war der Erfolg nicht. Nachdem 2011 die erste Geschichte um den Stoffelefanten Timbo fertig war, wollte der Verlag die Illustrationen von Joëlle Tourlonias nicht übernehmen. Dem Erzähler aber gefielen sie: "Ich mag ihren Strich sehr, die warmen Farben, die zu Geschichten in Afrika und Indien passen, die liebevoll gezeichneten Details, die man in ihren Bildern entdecken kann."

Michael Engler zog seinen Text zurück, und schließlich konnten der Autor und die deutsche Illustratorin mit französischem Vater, aktuell eine der erfolgreichsten Zeichnerinnen im Bilderbuchbereich, einen anderen Verlag überzeugen. Beide sehen sich aus Zeitmangel selten, obwohl sie nah beieinander in Düsseltal wohnen. Sie harmonieren aber gut miteinander.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Michael Engler seine Texte loslassen kann. Das muss er als Theaterautor, wenn seine Stücke auf die Bühne kommen, und das muss er als Kinderbuchautor. "Ich mische mich nicht in die Zeichnungen ein, will sie auch erst sehen, wenn sie fertig sind. Ich finde es spannend, was ein anderer aus meinen Texten macht" - und das, obwohl er selbst vor 25 Jahren als Comiczeichner begonnen hat.

"Ich habe lange gebraucht, bis ich mir darüber klar wurde, dass ich viel besser erzählen als zeichnen kann", erinnert sich Engler. Als Nächstes wird am 12. Februar seine Geschichte um die Freundschaft zwischen einem Hasen und einem Igel für Kinder ab vier erscheinen - wieder mit Illustrationen von Joëlle Tourlonias. Und auch der vierte Band der "Elefantastisch"-Reihe ist schon in Planung.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Kleiner Elefant geht auf große Reise


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.