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Düsseldorf
Kneipenkultur in der Bücherstadt

Düsseldorf. Klas Ewert Everwyn blickt auf die Literaturszene der 60er und 70er zurück. Von Claus Clemens

Klas Ewert Everwyn ist schon sehr lange ein Schriftsteller. 1930 als Sohn eines ostfriesischen Vaters geboren (daher sein Name), lebt er seit 1949 in Düsseldorf. Für den beruflichen Anfang wählte er die öffentliche Verwaltung. Doch seine wahre Berufung fand er ziemlich bald mit dem Schreiben von Erzählungen, Romanen, Hörspielen und Jugendbüchern.

Klas Ewert Everwyn weiß also, wovon er spricht, wenn er auf das literarische Leben dieser Stadt zurückblickt. Ein nostalgischer Ton ist kaum zu verleugnen in dem schmalen Band "Donnerstags bei Fatty, Karfreitags zur Gruppe 61", einer persönlichen Rückschau auf die 60er und 70er Jahre. Durch die Initiative des Kunstmalers Paul Brandenburg sowie des Journalisten Heinz Junker wurde damals in "Fatty's Atelier" auf der Hunsrückenstraße ein Literatenstammtisch gegründet. Später traf man sich auch in der "Destille", der "Uel" oder im "Sassafrass".

Everwyn mischt diese Kneipenszenen mit Dokumenten, Fotos und Tagebuchaufzeichnungen. Heraus kommt ein höchst spannender Erlebnisbericht von den Anfängen, Hoffnungen und Enttäuschungen des Schriftstellerdaseins. Gern wäre man dabei gewesen bei den Begegnungen der Vielen, die unbekannt geblieben sind, mit den Wenigen, deren Namen heute jeder kennt. Neben Heinrich Böll und Günter Grass ist es vor allem Dieter Forte, dessen Weg zum künstlerischen Erfolg man hier verfolgen kann.

Für diesen Erfolg waren (damals noch) zwei Faktoren verantwortlich: ein lukrativer Schreibauftrag des Westdeutschen Rundfunks und eine Empfehlung des lokalen Feuilletons. Entsprechend gewürdigt findet man in dem Band auch die Arbeit der legendären Rheinische-Post-Journalistin Gerda Kaltwasser und die vielen Beiträge von Lore Schaumann, die zusammen mit Rolfrafael Schröer in den 80er Jahren das erste Literaturbüro der Bundesrepublik leitete.

Schon lange gibt es das "Fatty" nicht mehr, aber in Everwyns Büchlein leben seine schönen Geschichten wieder auf.

Quelle: RP
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