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Düsseldorf
Kritik an Geisels Kunst-Plänen zur Tour

Die Nacht der Museen 2016 in Düsseldorf
Die Nacht der Museen 2016 in Düsseldorf FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Die Lange Nacht der Museen soll Auftakt eines 100-Tage-Programms vor der Tour de France werden. Dagegen regt sich Widerstand. Von Annette Bosetti

Sprengstoff barg eine an sich ganz sachlich gehaltene E-Mail, die Anfang Mai das Büro von Petra Winkelmann verließ und an mehr als 20 Institutsleiter oder Chefs in Düsseldorfer Kulturinstitutionen ging. Darin teilte die Verantwortliche aus dem städtischen Amt für Kulturelle Bildung und Marketing den Termin der nächsten Langen Nacht der Museen mit, der 2017 auf den 25. März fällt (Ausweichtermin: 1. April). Außerdem, so der zweite Halbsatz in Winkelmanns Mail, werde die Lange Nacht mit ihren 35 beteiligten Akteuren "unter dem Motto ,100 Tage vor dem Grand Départ' Teil der Auftaktveranstaltungen zum Start der Tour de France" sein. Mit der Bitte um Terminreservierung schloss die Mail, die Winkelmann in jedem Jahr an den Verteiler schickt.

Dieses Mal aber sorgte die Terminankündigung blitzschnell für Erregung und Verstörung bei verschiedenen Akteuren. In den Antwort-E-Mails, die per Kopie wieder an den gesamten Verteiler gesendet wurden, war die Rede von "Unterordnung" der Nacht der Museen unter das Rahmenprogramm des Tourstarts, von unzulässiger Instrumentalisierung der Kunst im Rahmen eines fragwürdigen Events, das von Doping, Bananen und Frischblut geprägt sei. Mit dem karnevalistischen Ruf "Düsseldorf, helau!" quittierte ein Mail-Schreiber sogar das städtische Ansinnen, Kunst und Tour de France zu verbinden.

Wenig später, am 16. Mai, wandte sich dann Oberbürgermeister Thomas Geisel an die Institutsleiter, nachdem die Wellen der Empörung bis ins Rathaus geschwappt waren. Der Tour-de-France-Start sei eine großartige Gelegenheit, schrieb Geisel, auch den Grand Départ zum Thema zu machen. Er würde sich sehr freuen, wenn die an der Museumsnacht beteiligten Häuser dieses Ereignis aufgreifen und einen thematischen Brückenschlag zu den Themen Frankreich, Radsport und Fahrradkultur herstellen würden. Für Fragen und Anregungen stünde das Projektbüro "Tour de France" als Ansprechpartner zur Verfügung.

Geht es nach Oberbürgermeister Thomas Geisel, dann steht die nächste Lange Nacht der Museen ganz im Zeichen der Tour de France. Dagegen regt sich Protest. FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Petra Winkelmann spricht inzwischen von einem Missverständnis. Man habe Respekt vor der Freiheit der Kunst und vor der Autonomie der Institutsleiter. "Das Kulturamt ist keine Eventagentur", sagte sie am Dienstag, man könne auch in den Rahmenprogrammen Bezug auf Frankreich nehmen. Sie hält die Idee, den Grand Départ aufzugreifen, für gut. "Es sind zwei Dinge, die sich befruchten können."

Ob bislang Anregungen gekommen sind, war am Dienstag nicht zu ermitteln, die zuständige Ansprechpartnerin nicht erreichbar. Doch die Wellen der Empörung sind allenfalls leicht abgeebbt, die Sorge, dass die Kunst ihre Freiheit verlieren könnte, bleibt groß.

Die Programme von Museen sind längst weit über das Frühjahr 2017 fixiert, sie folgen einem Plan. Und so schnell wird niemand etwas zum Thema aus den Magazinen hervorholen können. Beat Wismer, Generaldirektor im Museum Kunstpalast, will ausdrücklich den Vorgang nicht kommentieren. Sein geschäftsführender Direktor Harry Schmitz sagt: "Auch wenn der Grand Départ ein großes Ereignis für Düsseldorf sein wird, würde ich dem nicht monatelang alles unterordnen. Bei der Nacht der Museen muss es um die Kunst gehen, auch wenn sie mit dem Radfahren nichts zu tun hat." Gertrud Peters, Leiterin des KIT, kann sich frankophile Aspekte eher im Rahmenprogramm vorstellen. Sie sagt: "Die Nacht der Museen ist eine Veranstaltung für viele Menschen, bei der auch Besucher in die Häuser strömen, die sonst eher seltener ins Museum gehen. Hier auf eine andere Großveranstaltung der Stadt hinzuweisen, finde ich durchaus legitim. Das heißt allerdings nicht, dass ich mich dem Thema ,Tour de France' unterordne. Die Inhalte der Ausstellung für März 2017 stehen längst fest."

Den im September scheidenden Direktor des Kunstvereins, Hans-Jürgen Hafner, betrifft die Ansage nicht mehr, doch grundsätzlich warnt er - wie schon anlässlich der Quadriennale - vor der Eventisierung von Kunst. Andere Institutsleiter wollten sich nicht äußern. So bleibt abzuwarten, ob wir Baguettes aus Porzellan, gemalte Fahrräder von Konrad Klaphek oder Christos verpacktes Fahrrad im Februar 2017 in Augenschein nehmen werden.

Quelle: RP
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