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Düsseldorf
Künstler waren Eys Lebenselixier

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Bert Gerresheim sprach über seine Beziehung zu Mutter Ey. Von Regina Goldlücke

Das von Bildhauer Bert Gerresheim geschaffene Denkmal für Mutter Ey ist fast fertig. Im Frühjahr wird es im neuen Andreas-Quartier in der Altstadt seinen Bestimmungsort finden. In direkter Nachbarschaft zum Café Ey, einer Galerie für junge Künstler - und im Strahlenkreis ihres eigenen Wirkens.

100 Jahre zuvor hatte die umtriebige und sachkundige Förderin junger Talente ihre Galerie eröffnet und damals unbekannten Künstlern wie Max Ernst und Otto Pankok ein Forum gegeben. Im Gespräch mit der Neusser Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz beleuchtete Bert Gerresheim im Clemens-Sels-Museum die Vorgeschichte und den Entstehungsprozess seiner 2,70 Meter großen und 736 Kilogramm schweren "Memorialplastik".

Der Düsseldorfer hatte seit jeher eine enge Beziehung zu Mutter Ey. Durch seinen Lehrer Otto Pankok lernte er sie in ihren letzten Lebensjahren noch persönlich kennen: "Sie wirkte auf mich wie ein zerzaustes Monument", sagt er, "eine strenge, aber gütige Großmutter." Für ihren Zuspruch war er ihr damals sehr dankbar. "Lass den Jungen doch kritzeln", hatte Ey Gerresheims Mutter ermuntert, "der will doch sowieso nichts anderes." Mutter Ey starb 1947, und es war Bert Gerresheim, der zehn Jahre später ihre im Stadtmuseum zufällig aufgespürte Totenmaske übernahm, restaurierte und sie schließlich 2008 als Versatzstück in seine Skulptur vom Hoppeditz einfügte.

Er bewundert den Mut dieser Frau, die elf Kinder zur Welt brachte und sich durch Scheidung ihrem prügelnden Ehemann entzog. "In unsicheren Zeiten setzte sie sich gegen alle Widrigkeiten durch. Die Künstler waren ihr Lebenselixier." Launig berichtete Bert Gerresheim von ihrer Fähigkeit zur Selbstinszenierung: "Sie liebte es, sich als Spanierin zu sehen, mit Mantilla, Einsteckkamm und Castagnetten. Und die Künstler wiederum liebten sie. Die Ey war Anfang des 20. Jahrhunderts die meistporträtierte Frau Europas. Daran kann man sehen, welche Ausstrahlung die dicke Tante hatte."

Im Denkmal griff er typische Details auf, etwa die runde Brille von Mutter Ey. "Ein Symbol für Weitsicht und Durchblick", erklärt Gerresheim. "Man sucht im Bannkreis des Vergänglichen und des Festhaltens immer nach Anhaltspunkten, eine Persönlichkeit zu erfassen." Wie eine Wagenburg gruppierte der Bildhauer um die Figur der Mutter Ey die Werke einiger ihr nahestehender Künstler. Sie selbst tritt aus einem scherenschnittartigen Rahmen hervor, "damit sie nicht alleine dasteht wie eine Litfasssäule".

Quelle: RP
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