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Debatte um Düsseldorfer Schauspielhaus
Kulturdezernent stellt sich hinter Intendanten

Debatte um Düsseldorfer Schauspielhaus: Kulturdezernent stellt sich hinter Intendanten
Seit Wochen läuft die Debatte um das Düsseldorfer Schauspielhaus. FOTO: dpa, mg cul ve
Düsseldorf. Es gibt viel Zuspruch für den Erhalt des Düsseldorfer Schauspielhauses in seinem ursprünglichen Gebäude. Stadt und Land führen Gespräche. Von W. Goertz, D. Krings und H. Onkelbach

Das baufällige Düsseldorfer Schauspielhaus sollte nicht an einen privaten Investor übergeben werden. So sieht es Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU). "Das Schauspielhaus ist eine Ikone der deutschen Theaterlandschaft und gehört in die Hand der Stadt", sagte Lohe und stellte sich damit hinter den Schauspielhaus-Intendanten Wilfried Schulz.

Der hatte in einem Gastbeitrag in unserer Redaktion ein Bekenntnis der Stadt zu ihrem Theater am traditionellen Standort gefordert. Schulz wehrt sich damit gegen Überlegungen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD), den Stammsitz des Theaters im Zentrum der Stadt aufgrund hoher Sanierungskosten für Fassade und Dach an einen privaten Investor zu übergeben und nach einem alternativen Standort für das Sprechtheater zu suchen.

Das sind die Schauspieler der Spielzeit 2016/7 FOTO: Sebastian Hoppe

Lesen Sie hier, wie die CDU im Düsseldorfer Stadtrat drängt auf eine gemeinsame Resolution in dieser Sache drängt.

Diese Überlegungen sorgen auch in der Düsseldorfer Bürgerschaft für großen Unmut. Erschüttert von der Debatte zeigte sich etwa Mäzenin Gabriele Henkel. "Das Schauspielhaus ist ein Herzstück der Kultur in Düsseldorf", sagte sie. Stadtspitze und Kulturpolitik müssten nun alles daransetzen, das Haus so zu erhalten, wie es gedacht und gebaut wurde, eine alternative Nutzung des Gebäudes sei für sie "undenkbar".

Auch von Kollegen erhält der Schauspielhaus-Intendant Zuspruch. "Schulz hat hervorragende Künstler mit nach Düsseldorf gebracht und hat trotz schwierigster Bedingungen einen fulminanten und fantastischen Start hingelegt. Somit hat er also eben genau das erfüllt, worauf Düsseldorf gewartet hat", sagt der Generalintendant der Düsseldorfer Rheinoper, Christoph Meyer. "Jetzt, gerade einmal drei Monate nach dem Antritt des neuen Kollegen, hat die Debatte um die Zukunft des Schauspielhauses dem Ruf unserer Stadt in einem nahezu atemberaubenden Tempo massiv geschadet."

Auch in der bundesweiten Theaterszene hält man die Debatte in Düsseldorf für bedenklich. "Es ist unvorstellbar, dieses städtebauliche Denkmal nicht als Theater zu erhalten", sagt der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, "wo das Düsseldorfer Schauspielhaus steht, boomt der Kommerz, da muss es auch einen Ort der Reflexion und des Innehaltens geben."

Das Land NRW, das ebenfalls Träger des Schauspielhauses ist, beteiligt sich bisher nicht an der Diskussion in Düsseldorf. Der Vorstoß des Oberbürgermeisters Geisel zur alternativen Nutzung des Schauspielhauses sei nicht mit dem Land abgestimmt gewesen. "Wir werden uns nun in Ruhe mit der Stadt Düsseldorf und den Vertreterinnen und Vertretern des Aufsichtsrates besprechen", hieß es aus dem Ministerium. "Deswegen stellt sich derzeit auch nicht die Frage nach möglichen Auswirkungen auf die finanziellen Zuschüsse des Landes." In Düsseldorf hofft man, dass sich das Land an den Sanierungskosten für das Theater beteiligen wird, obwohl für die Fassade und das Dach allein die Stadt verantwortlich ist. Andere fürchten, dass sich das Land aus der Förderung zurückziehen könnte, wenn das Theater aus seiner zentralen Spielstätte am Gründgens-Platz verdrängt und dadurch marginalisiert werden würde.

Intendant Schulz hatte nach seiner öffentlichen Stellungnahme in der Debatte seine Mitarbeiter zusammengerufen und den Stand der Dinge erklärt. Einen Rücktritt soll er dabei vorerst ausgeschlossen haben. Aus dem Ensemble ist zu hören, dass es großes Vertrauen in die Intendanz gibt und die öffentliche Auseinandersetzung um die Zukunft des Hauses die neue Schauspielertruppe noch weiter zusammenschweißt. Auch gibt es viel Zuspruch aus dem Düsseldorfer Publikum, das den Neubeginn an seinem Theater bisher neugierig und aufgeschlossen begleitet. Die Vorstellungen sind überwiegend gut besucht.

Kulturdezernent Lohe betont, dass nun zunächst die Kosten für die Sanierung genau ermittelt werden müssten. Auf dieser Basis könne dann über die weiteren Schritte entschieden werden. Dann sei auch zu prüfen, ob Bürgeranleihen ein möglicher Weg seien, Freunde des Theaters an den Kosten für die Sanierung zu beteiligen.

 
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