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Düsseldorf
Kunst als Pausenbrot

Düsseldorf: Kunst als Pausenbrot
Seit einigen Jahren kommt Wolfgang Rautenberg zur Kunstpause in das KIT. Damals war er noch berufstätig, mittlerweile genießt er als Pensionär die halbstündige Führung durch den Ausstellungsraum. Besonders angetan haben es ihm die Archivaufnahmen des Malkastens und aktuelle Arbeiten der Kunstakademie. FOTO: andreas Bretz
Düsseldorf. Einmal im Monat können Besucher während der Mittagszeit an einer Ausstellungsführung im "Kunst im Tunnel" teilnehmen. Von Natalie Urbig

Früher ist er mit seiner Vespa zur Kunstpause ins KIT geflitzt, hat sich dort die neue Ausstellung angesehen und ist dann wieder in die Praxis zurückgekehrt. All das in seiner Mittagspause.

Diesmal hat Wolfgang Rautenberg mehr Zeit mitgebracht - seit drei Jahren ist er in Pension. Zur Kunstpause kommt der Mediziner trotzdem noch gerne in den Kunsttunnel. Denn dort gibt es jeden ersten Mittwoch im Monat ein Pausenbrot der besonderen Art: mal sind es Kunsthistoriker, mal Künstler oder Studenten der Kunstakademie, die dann in einer halben Stunde durch die jeweilige Ausstellung führen.

Vor neun Jahren hatte Gertrud Peters, künstlerische Leiterin des KIT, die Idee zu dieser besonderen Pausengestaltung: "Mit der Kunstpause wollen wir vor allen Dingen die Berufstätigen ansprechen", sagt sie. Der Standort sei dafür ideal: So reihen sich um den Kunsttunnel viele große Bürogebäude und Ministerien. Während man im KIT-Cafe einen Lunch zu sich nehmen kann, gibt es geistige Nahrung unter Tage: "Die Kunstpause ist eine Einladung, in der Mittagspause von den Rechnern aufzublicken und auf Farbe, Leinwand und Dreidimensionales zu sehen."

So auch an diesem Mittwoch: Künstlerin Simone Curaj leitet durch die Ausstellung "Akademie" und erklärt ausgewählte Exponate. Sie sollen zeigen, was die Institution Kunstakademie sein kann. "Wir öffnen die Tür einen Spaltbreit und geben einen Einblick in Klassenzimmer, Seminarräume und Partykeller", fügt Gertrud Peters hinzu.

Wolfgang Rautenberg und die anderen Teilnehmer lauschen gespannt, stellen Fragen und regen Diskussionen an.

Während es am Jahresbeginn in der Kunstpause durch die Urlaubszeit noch verhältnismäßig ruhig zugeht, seien es gewöhnlich zwischen 15 und 20 Besucher, die mitmachen, sagt Jana Catharina Israel, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt Kunstvermittlung.

Das Publikum, das die Ausstellung in der Mittagspause aufsucht, unterscheide sich von den klassischen Museumsgängern: So seien zwar auch viele Kunstbegeisterte dabei, "darunter gibt es auch einige, die zum ersten Mal kommen und sich nicht als kunstinteressiert bezeichnen würden", sagt Peters. Auch gerade für sie sind die kurzweiligen Führungen geeignet: "Sie können sich hier ohne Berührungsängste umsehen. Viele denken, sie müssten unglaublich viel Fachwissen mitbringen, um Kunst zu verstehen. Dabei ist das gar nicht nötig. Die Menschen brauchen nur richtig hinschauen", sagt Peters und fügt hinzu: "Schon allein der Ausstellungsraum ist für viele überwältigend."

Wolfgang Rautenberg hat die Kunstpause schon damals genutzt, um Anregungen und Inspirationen zu sammeln. Gehetzt fühlt er sich dabei nie: "Ich bin ein Freund der Kürze. Oft komme ich danach noch einmal mit meiner Frau wieder, und wir sehen uns die Ausstellung noch einmal in Ruhe an." Die Führung findet er hilfreich, "weil sie einen Zugang vermittelt, wenn er sich einem von selbst nicht erschließt."

So sieht auch Simone Curaj ihre Aufgabe nicht darin, kunsthistorische Details wiederzugeben, sondern den Besuchern eine Anleitung zu geben, wie sie sich die Ausstellung selbst entdecken können. So gibt sie etwa zu dem einstündigen Video der Künstlerin Taisiya Ivanova eine kurze Einführung und wendet sich dann den nächsten Ausstellungsstücken zu: Archivaufnahmen des alten Malkastens noch vor dem Umbau. "Die ganze Ausstellung schaffen wir nicht, in der halben Stunde", sagt sie, es werden ausgewählte Stücke gezeigt. Rautenberg hat es überzeugt. Er wird wiederkommen - mit seiner Frau.

Quelle: RP
 
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