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Düsseldorf
Kunst unterm Hammer zu Wismers Abschied

Düsseldorf: Kunst unterm Hammer zu Wismers Abschied
Der alte und der neue Leiter in ihrem Kunstpalast: Beat Wismer (l.) bei seinem Ausstand am Ehrenhof, seit Anfang des Monats hat dort Felix Krämer das Sagen. Gemeinsame Sache machten sie nun bei einer Kunstauktion, die 268.200 Euro einbrachte. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Mit einer Kunstauktion verabschiedete sich Beat Wismer nach zehn Jahren als Kunstpalast-Chef. Er übergab an Felix Krämer. Von Dagmar Haas-Pilwat

Ein Schweizer aus Aarau im rheinischen Düsseldorf? Ob das wohl gut geht? Das haben sich vor zehn Jahren bestimmt einige gefragt, als Beat Wismer sein Amt als Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast antrat. "Der Biet kommt, hieß es damals, denn jeder kannte den englischen Begriff Beat und die Beatles, aber keiner wusste den Vornamen Beat korrekt auszusprechen", erinnerte sich Kuratorin Barbara Till bei der Abschiedsfeier ihres scheidenden Chefs, der nun nach Zürich zieht.

Der verschmitzte 64-Jährige mit dem unverwechselbaren Schweizer Tonfall hat es allen gezeigt: Er brennt für die Kunst und hat viele im Verborgenen liegende Schätze der Düsseldorfer Museumssammlung ans Licht gebracht. Ein Jahrzehnt lang hat er für Kontinuität gesorgt, das Haus international aufgestellt - und das allen Widrigkeiten zum Trotz wie dem seit Jahren kaputten Dach, dem geschlossene Café, den knappen Kassen. Der Museumsmann hat den Bogen von Cranach bis Picasso und Warhol geschlagen und dabei die Düsseldorfer Szene - Konrad Klapheck, Eat Art, Hans-Peter Feldmann - nicht vernachlässigt.

Unverhofft gaben sich Tizian und Tintoretto, Rembrandt und El Greco, Zurbaran und Cranach ein Rendezvous, alte Meister, die man bislang kaum im Ehrenhof sah. Wismer stellte Jean Tinguelys skurrile Spielmaschinen in einen aktuellen Kontext, bereitete Andreas Gursky die schönste Schau, und mit der Fotokunst von Axel Hütte läuft derzeit seine letzte Ausstellung. Während der Ära Beat Wismer besuchten neben Königin Letizia aus Spanien und Alt-Bundespräsident Joachim Gauck über 2,2 Millionen Menschen die Ausstellungen und Sammlungspräsentation im Kunstpalast am Ehrenhof.

"Auch den Freundeskreis hat Beat Wismer erfolgreich wiederbelebt, ihn stabilisiert", betonte Georg Thoma, Vorsitzender der Freunde Museum Kunstpalast. Der vor 52 Jahren gegründete Verein hatte die Feier unter dem Motto "Beauty Is A Rare Thing" (Schönheit ist ein seltenes Ding), in Anspielung auf ein Saxofonstück von Ornette Coleman im Robert-Schumann-Saal ausgerichtet.

Gekommen waren viele bekannte Gesichter: die Künstler Heinz Mack, Elger Esser, Andreas Gursky und Frauke Dannert, die privaten Sammler Carlo Schröter, Wolfgang Hanck, Willi Kemp, Thomas Olbricht sowie Dan und Gil Bronner; der Galerist Hans Paffrath war gekommen, der ehemalige Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff und der amtierende, Hans-Georg Lohe. Aber auch die Neuen in der Stadt ließen sich den launig inszenierten Abend nicht entgehen: Wismers Nachfolger Felix Krämer - seit einer Woche im Amt - und Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel sagte in seiner Ansprache, wie sehr der künstlerische Leiter und Kurator aus Leidenschaft in seiner Zeit "unserem Museum Kunstpalast national und international ein beachtliches Renommee verschafft hat und wie sehr er der Kunstmetropole Düsseldorf seinen Stempel aufgedrückt hat". Geisel betonte zudem, wie wichtig das Engagement der Zivilgesellschaft auch in Zukunft sei, um das "Museum mit der Strahlkraft weiterzuführen".

Damit lieferte Geisel die Vorlage für die bislang erst zweite Kunstversteigerung in der Geschichte des Fördervereins. Mit Charme und Humor sorgte Arno Verkade, Chef von Christie's Deutschland, für eine unterhaltsame Auktion und animierte die Anwesenden dazu, die Bieterkarten zu zücken. Unter den 19 von Künstlern, Galerien und Sammlern gestifteten Kunstwerken, unter anderem von Gursky, Mack, Uecker, Ruff, Knoebel und Kricke, sorgten vor allem zwei Top-Lose für Aufsehen. Die Bronze-Plastiken von Thomas Schütte machten mit jeweils 74.000 und 100.000 Euro das Rennen, bei dem ein per Telefon zugeschalteter Bieter aus London kräftig mitmischte.

"Der Erlös von insgesamt 268.200 Euro hat unsere Erwartungen weit übertroffen", sagte der neue Kunstpalast-Leiter Felix Krämer. Denn somit kann Beat Wismers Wunsch, ein Werk des 2013 verstorbenen Malers Günther Förg für die Museums-Sammlung zu erwerben, erfüllt werden.

Quelle: RP
 
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