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Düsseldorf
Kunstachse mit Palermo wächst

Düsseldorf. In der Johanneskirche stellt der sizilianische Bildhauer Daniele Franzella aus. Von Claus Clemens

Sizilien ist ein Jahrtausende alter Schmelztiegel verschiedener Völker. Entsprechend vielfältig ist das kulturelle Erbe der italienischen Insel. Als der Düsseldorfer Bildhauer Michael Kortländer vor Jahrzehnten mit seinem Akademieprofessor Gerhard Oehme eine Exkursion nach Sizilien unternahm, war er nicht nur davon fasziniert, sondern mehr noch von dem Spannungsverhältnis zwischen normannischer respektive barocker Architektur und der dortigen künstlerischen Moderne. Gleichwohl vermisste er abstrakte Kunst, die in seiner Heimatstadt so dominant war. Um das zu fördern, was er heute "quasi Komplementarität" nennt, gründete Kortländer den Verein "Düsseldorf Palermo" und organisierte Ausstellungen in beiden Städten.

Nun wurde in der Johanneskirche die Ausstellung "Betlehem" eröffnet, thematisch ist die Schau mit den Fluchtbewegungen unserer Zeit verbunden: Tausende von Asylsuchenden, die den gefährlichen Weg von Afrika auf das winzige Lampedusa geschafft haben, werden von dort weiter nach Sizilien gebracht und schließlich auf das europäische Festland. Der in Palermo lebende Künstler Daniele Franzella wählte für seine erstmals gezeigte Skulptur, die ebenfalls "Betlehem" heißt, ein Motiv, das die biblische Erzählung von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten bildmächtig aktualisiert. Ein Esel trägt seine gewaltige Last aus Haushaltsgegenständen, Nahrungsmitteln in Jutesäcken, aber auch Waffen und sogar einem Kanonenrohr. Alles fest verzurrt, wie für eine lange Reise ohne Wiederkehr. Die Materialien sind teils echt, teils für diese Skulptur angefertigt. Das übermannsgroße Fluchtbild ist mit Asphalt übergossen, dem Belag heutiger Wanderwege. "Für mich ging es darum, die Dimension des Schreckens aufzunehmen", sagt Franzella, der Düsseldorf übrigens von einem zweimonatigen Studienaufenthalt kennt.

Vor anderthalb Jahren begleitete Kortländer den neu gewählten Oberbürgermeister Thomas Geisel nach Palermo. Der traf in der sizilianischen Metropole seinen Kollegen Leoluca Orlando. Man verstand sich auf Anhieb. Resultat ist der Vertrag für eine neue Städtepartnerschaft, unterzeichnet am Tag des Stadtfestes für die Schutzpatronin Santa Rosalia. Nur die jeweiligen Stadtparlamente müssen noch zustimmen. Auch die Kunstachse zwischen Palermo und Düsseldorf soll so weiter wachsen. Dann könnte auch, so Kortländers Idee, der Esel "Betlehem" auf Weiterreise gehen.

Quelle: RP
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