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Museum Kunstpalast in Düsseldorf
Lambert Krahes Spürnase für Kunst
Düsseldorf. Der Gründungsdirektor der Düsseldorfer Kunstakademie war nicht nur Künstler und Lehrer, sondern auch Sammler. Im 18. Jahrhundert legte er eine bedeutende Kollektion an. Das Museum Kunstpalast stellt sie nun in Auswahl vor. Von Bertram Müller

In einem offenen Rondell aus kleinen Vitrinen bieten sich bei angemessen schwacher Beleuchtung die kostbarsten Blätter dar: allen voran Raffaels Zeichnung "Acht sitzende Bischöfe", dazu Skizzen unter anderem von Agostino Carracci, Carlo Maratti und Charles-Alphonse Du Fresnoy. Wie durch ein Wunder befinden sie sich seit 300 Jahren in Düsseldorf. Die meisten Kunstschätze nämlich, die zur Zeit des Kurfürsten Carl Theodor auf Düsseldorfer Stadtgebiet lagerten, sind heute der Stolz der Münchner. Als Carl Theodor Bayern erbte und seine Residenz dorthin verlagerte, nahm er auch seine Kunstschätze mit.

Der Künstler, erste Düsseldorfer Akademie-Direktor und Sammler Lambert Krahe (1712–1790) stand zwar als Sammlungs-Chef in Carl Theodors Diensten, doch unterhielt er daneben eine private Kunstsammlung, um seinen Unterricht mit Anschauungsmaterial bereichern zu können. Als Krahe in Geldnot geriet, verkaufte er seine Kollektion nicht etwa seinem Dienstherrn, sondern den Bergischen Landständen – mit der Auflage, sie möge der Akademie nützen. So blieben die Bilder und Plastiken vom Umzug nach München verschont. Bis 1932 befanden sie sich in der Kunstakademie, seitdem sind sie als Dauerleihgabe der Akademie im Museum Kunstpalast untergebracht.

Zwei Porträts vermitteln in der Ausstellung einen Eindruck vom bildungsbeflissenen Genussmenschen Lambert Krahe, diesem Liebhaber nicht nur von Raffael, sondern auch von Paolo Veronese, Gian Lorenzo Bernini, Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Hendrick Goltzius oder Nicolas Poussin. Sein aus Zehntausenden Blättern, Gemälden und gipsernen Plastiken bestehender Kunst-Kosmos öffnet sich nun dem Publikum – einschließlich einiger Proben seines eigenen Könnens.

Wer allerdings Krahes Ölgemälde "Die Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel" betrachtet, dem wird rasch klar, warum sich der Maler aufs Lehren und Sammeln verlegt hatte: An die Kunst seiner Vorbilder reichte er nicht heran. Seine eigentliche Kunst war sein Gespür für die Kunst anderer.

Die wird nun im Museum Kunstpalast anhand von 200 Beispielen in fast überzogener Fülle ausgebreitet. Immerhin aber sorgen Arrangements wie das Rondell dafür, dass Landmarken die Flut der Zeichnungen gliedern. So führt ein Skelett an einem Galgen vor, wie Künstler damals an der Akademie lernten, ihre Motive möglichst wirklichkeitsnah zu gestalten. Hand-, Arm- und Kopfstudien, teils zwei-, teils dreidimensional, vermitteln zudem einen Eindruck davon, wie mühselig es war, aus Einzelheiten eine Komposition wachsen zu lassen.

Wie souverän die besten Künstler in ihren Bildern mit solchen Versatzstücken zu jonglieren vermochten, das zeigt sich anhand der Meisterwerke. Dazu zählen allerdings auch solche Bilder, deren kleinteilige Motive erst entdeckt werden wollen – wie in Poussins großartiger "Klassischer Landschaft mit Kastell und Basilika". Überhaupt erlauben zahlreiche Zeichnungen Blicke auf die zeitgenössische Architektur.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Blätter zu einem Thema, das Krahe vermutlich am meisten fesselte: dem künstlerischen Lehrbetrieb, wie er ihn in seiner eigenen, erst privaten, dann kurfürstlich-pfälzischen Akademie der Zeichenkunst praktizierte. Da gibt es zum Beispiel von Wallerant Vaillant einen "Zeichnenden Jungen in einem Atelier vor einer Statuette des Herkules", und Enea Vico hat nach Baccio Bandinelli dessen Akademie im 16. Jahrhundert in einem Kupferstich festgehalten: ein Gewusel von Meister und Gesellen, die zwischen Gipsfiguren und Skelett-Teilen ihre Bild-Findungen zu Papier bringen.

Großes Theater also, dem man sich gern hingibt. Das aus restauratorischen Gründen gedämpfte Licht und der filigrane Strich vieler Blätter lassen den Rundgang allerdings ein wenig mühselig werden.

Krahe selbst hatte es auch nicht leicht. Vor allem mit Zuschreibungen hatte er sich zu plagen. Manches Blatt, das er erwarb, trägt nach neueren Forschungen heute einen anderen Künstlernamen als damals – oft keinen geringeren.

Quelle: RP/ila
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