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Düsseldorf
Lesung mit Eis am Stiel und Lyrik von der Fensterbank

Düsseldorf. Mareike Götzinger muss zuerst ran, und weil sie nicht weiß, was sie vorher noch sagen soll, fängt sie gleich mal an - sagt sie. "Ich sitze da und starre", liest die Düsseldorfer Autorin, die an einem Pult auf dem Hof des Ateliers Farbfieber Platz genommen hat. Die Sonne knallt, Motorräder knattern auf dem Fürstenwall vorbei und übertönen manches Wort. Mareike Götzinger liest einfach weiter: "Ich laufe rum und denke, da muss doch was getan werden." Von Klas Libuda

Es sind nun wieder Hinterhoflesungen in Düsseldorf, zum dritten Mal schon, denn 2013 hob das Zakk dieses charmante Lese-Format aus der Taufe und tourt seitdem jeden Sommer durch die Stadt. Jeweils drei Autoren lesen diesen August in drei Höfen an drei aufeinanderfolgenden Donnerstagen. Den Auftakt gab es nun in Friedrichstadt mit Mareike Götzinger, Nektarius Vlachopoulos und Lydia Daher - "einer unbekannten Autorin, einem bekannteren und einer bekannten", hatte Moderatorin Pamela Granderath zu Beginn gesagt.

Der Hof ist mit rund 80 Gästen voll, und wer keinen Sitzplatz mehr bekommen hat, muss in der Einfahrt stehen. Dass so viele Zuhörer gekommen sind, liegt sicher auch an den Lesenden. Die Konzeption des Abends ist aber gleichermaßen reizvoll. Es gibt Flaschenbier, das aus dem Atelier verkauft wird, und Eis am Stiel, das sich die Gäste von einem benachbarten Kiosk mitbringen. Die Bücher von Lyrikerin Lydia Daher werden von der "Bücher-Fensterbank" verkauft. Für einen weiteren Tisch war kein Platz. Ab und an öffnet sich die in der Hofeinfahrt gelegene Haustür und ein Anwohner tritt stutzend ins Auditorium. So etwas erlebt man bei gewöhnlichen Wasserglas-Lesungen nicht.

Nektarius Vlachopoulos ist dennoch begeistert vom Pult, der Leselampe und der Plastikflasche Wasser, die griffbereit neben ihm steht. "Ich fühle mich wie ein richtiger Autor", sagt Vlachopoulos, der eigentlich als Slammer erfolgreich ist. Er liest dann Poetry-Slam-Texte vom Erwachsenwerden. Seit er als Lehrer arbeite, werde er viel öfter angesprochen als in seiner gesamten Slam-Karriere, erzählt er. "Herr Vlachopoulos, ich habe sie auf Hantelbank gesehen", zitiert er einen Schüler wortgetreu mit fehlendem Artikel. "Sie haben keine Luft mehr bekommen."

Zuletzt liest Lydia Daher, die Lyrik schreibt, die immer abgedunkelt und zuweilen düster ist. "Die Schwere von Kreuzberg" heißt ein Text über den gleichnamigen Berliner Stadtteil. Entstanden sei der Text, "als Kreuzberg noch dreckig war", sagt die Autorin. "Uns bleibt nicht mal Paris" heißt einer. "Russland hat drei Satelliten verloren", beginnt ein anderer. "Für die Zukunft habe ich meinen Drei-Punkte-Plan", liest sie kurz vor Schluss. "Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen."

Info Die nächsten Hinterhoflesungen: 20. August, 19 Uhr, Martinstraße 58, mit Jaromir Konecny, André Herrmann und Sven Hensel; 27. August, 19 Uhr, Krahestraße 20, mit Jochen Schmidt, Theresa Hahl und Lisa Schøyen

Quelle: RP
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