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Düsseldorf
Lieber Klarinette statt Mathe

Düsseldorf: Lieber Klarinette statt Mathe
Bettina Aust ist auch als Solo-Klarinettistin bei den Augsburger Philharmonikern engagiert. FOTO: Christine Schneider
Düsseldorf. Die in Düsseldorf geborene Klarinettistin Bettina Aust musiziert am Freitag zusammen mit ihrem Bruder Robert am Klavier im Palais Wittgenstein. Die Gewinnerin des Deutschen Musikwettbewerbs stellt ihre Debüt-CD vor. Längst führen sie Konzertreisen ins In- und Ausland. Von Armin Kaumanns

Als Bettina Aust vor neun Jahren am Gymnasium Gerresheim Abitur machte, das erste im Modus des Zentralabiturs, war sie zur Mathe-Klausur nicht da. Wegen Konzertreisen mit ihrer Klarinette. Das war wichtiger, und die Prüfung wurde eben nachgeholt. "Damals schon haben mich viele Menschen gefördert", sagt die Gewinnerin des Deutschen Musikwettbewerbs 2015. Sie blickt auf eine Zeit zurück, die sie am Freitag wieder einholen wird: Dann konzertiert sie im Palais Wittgenstein mit dem Programm, das auf ihrer ersten CD zu hören ist.

"Ich freue mich total auf Düsseldorf, ich bin sogar wirklich ein wenig aufgeregt. Überall hängt schon die Werbung, die neue CD ist schon in den Läden", sagt sie. Bettina Aust, mit der wir vor einem Konzert in Hannover sprechen, erscheint selbst ein bisschen überrascht vom steilen Verlauf ihrer Karriere. Denn nach dem Abitur wählte sie nicht den sicheren Weg zum Mathestudium, sondern ging zur angesagtesten Klarinettistin der Zeit, Sabine Meyer. "Bei allen Vorbehalten, ob man denn mit dem Klarinettespielen Erfolg haben kann, Geld verdienen, eine Stelle kriegen, wurde die Vorstellung unerträglich in mir, dass ich nicht mehr täglich diese Empfindung des Musizierens haben könnte. Das hätte mich total traurig gemacht."

Musik statt Mathe - in diesem Fall eine offenbar richtige Wahl. Denn nach dem Gewinn etlicher Preise im In- und Ausland ist sie nach dem Deutschen Musikwettbewerb schlagartig einem breiten Klassik-Publikum bekannt. "Ich war noch in der Probezeit als Solo-Klarinettistin in Augsburg. Aber ich wollte an dem Wettbewerb teilnehmen. Und mich hat der Preis, dass man eine CD professionell einspielen darf, enorm gereizt", erzählt sie. Neben der Silberscheibe hat Aust inzwischen auch einen Trailer bei YouTube und PR-Profis, die sich um die Vermarktung der Nachwuchs-Musikerin kümmern.

Françaix, Burgmüller, Bernstein, Widmann, Brahms - die stilistische Spanne könnte weiter kaum sein beim CD-Programm, das nun auch im Palais Wittgenstein erklingt. Françaix' Variationen liebt sie, "weil da so viel passiert, so viel Technisches dabei ist, und das ist manchmal wirklich witzig". Bei Jörg Widmanns Fantasie von 1993 entdecke sie bei jedem neuen Spielen neue Zusammenhänge und Tiefen. Bernstein liebt sie nicht zuletzt wegen der jazzigen Einlagen und die späte erste Brahms-Sonate wegen der schweren, ernsten Emotionen. "Gestern beim Üben musste ich wirklich abbrechen, weil ich so traurig geworden bin, das war so düster, und es hat mich innerlich zerrissen", erzählt sie. Ja, und bei Norbert Burgmüller, bei seinem Duett für Klarinette und Klavier, muss sie einfach an Düsseldorf denken, ihre Heimatstadt, die auch die seine war, vor mehr als 200 Jahren.

Man kann mit Bettina Aust herzlich fachsimpeln. Übers klarinettentypische Vibrato-Verbot, das sie auch gern mal übertritt, wenn sie eine besondere Stimmung ausdrücken will, auch übrigens im Orchester, wie sie sagt. Über Permanent-Atmung, an der sie sich auch schon mal versucht hat, von der sie aber gar nicht recht weiß, ob sie ihrer Musik helfen würde. Über die Balance zwischen Orchesterdiensten und Solokarriere, die sie ab dieser Spielzeit durch Reduzierung auf 50 Prozent in Augsburg besser in den Griff bekommt. "Ich bin den Kollegen und der Intendanz in Augsburg wirklich dankbar, dass sie das ermöglicht haben", sagt sie. Gerade hat sie eine Konzertreise nach Zentralamerika angeboten bekommen, vom Goethe-Institut. "Da sind wir drei Wochen aus der Welt. Und das geht jetzt", sagt sie. Und meint damit auch ihren Bruder Robert, der sie seit vielen Jahren am Klavier begleitet.

Irgendwann kommen wir wieder nach Düsseldorf und zum Palais Wittgenstein zurück in unserem Gespräch. Neben Freunden, Verwandten und ehemaligen Studienkollegen wollen auch ein paar alte Lehrer kommen.

Quelle: RP
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