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Gastro-Tipp
Locker genießen im Sterne-Ambiente

Düsseldorf. Zu den günstigsten Restaurants gehört das Victorian in Düsseldorf an der Königstraße sicher nicht - wohl aber zu den günstigsten Sterne-Lokalen. Von Isabel Klaas

Im zweiten Jahr in Folge hat sich der 30 Jahre junge Küchenchef Matthias Hein einen begehrten Stern erkocht. Und das mit bodenständigen Gerichten. "Molekulares kommt mir nicht auf den Teller", sagt er. "Es gibt immer ein Hauptprodukt. Fisch oder Fleisch, das man nicht mit der Lupe suchen muss."

So ist es wirklich: Selten hat man das Glück, ein so perfektes Kabeljau-Filet genießen zu dürfen: frisch, zart, saftig und dezent gegrillt auf mildem Champagnerkraut mit Kartoffelstampf, getoppt von einer schaumigen Velautée, einer leichten Rahmsoße aus Fischfond. Was sich für den Laien nach schwerem Essen anhören könnte, serviert der Sternekoch in einer wunderbar bekömmlichen Variante, die sich gut auch in der Mittagspause verzehren lässt, ohne dass der Gast nachher ins Verdauungsschläfchen fällt.

Das Konzept des Victorian zielt seit der Renovierung im vergangenen Jahr in eine neue Richtung: lockerer, legerer, "ein Sterne-Restaurant für jedermann, auch für Jüngere und für Mittagsgäste, die hier recht günstig essen können", sagt Matthias Hein. Beispiele: Während der Kabeljau mit Beilage 28 Euro kostet, ist ein Caesar Salad mit Maishähnchen für 21 Euro zu haben. Vom zarten aromatischen Hähnchen-Filet zum Eisbergsalat mit Speck und Brotchips wird man ohne weiteres satt. Von der Präsentation haben gleichermaßen Gaumen und Augen etwas. Nicht irritieren lassen sollte man sich von zwei auffälligen orangefarbenen Tupfern auf dem Teller: Das ist das zum Cesaren-Salat gehörige Ei. Hein serviert es als pochiertes Eigelbchen. Experimente müssen sein, sagt er. Roastbeef mit Pommes Pont Neuf (kleine neue Kartöffelchen), Remoulade und Blattsalat sind als Vorspeise für 21 und als Hauptgang für 29 Euro zu haben. Ein Loup de Mer-Sashimi (der Fisch wird roh serviert ähnlich wie Sushi) mit Limetten und Wasabi-Ingwer wird für 22 Euro angeboten, ein Zwei-Gang-Menü inklusive einem Heißgetränk kostet mittags 35 Euro. "Wir wollen weg von dem ganz Teuren", sagt Hein. "Abends kann man bei uns für 50 Euro pro Kopf sehr gut essen und satt werden." Seit der Renovierung sei das Ziel, die Hemmschwelle, ein Sterne-Restaurant zu betreten, zu senken.

Früher war das Bistro parterre und im ersten Stock das Sterne-Lokal, heute spielt die Musik hauptsächlich im hellen Erdgeschoss im noblen Bistro-Stil, während die "Belle Etage" im ersten Stock für Veranstaltungen und der zweite Stock für private Salons und Feiern vorgesehen ist. Zu ebener Erde gibt es jetzt 100 Plätze. Die immer noch imposante Bar wurde etwas verkleinert, wodurch es mehr von den begehrten Fensterplätzen gibt.

Nach wie vor hat der Gast den freien Blick auf die offene Küche, in der hauptsächlich angerichtet und manchmal gegrillt wird. Vor allem aber kommt der Chefkoch der Neugier einiger Gäste entgegen, die einfach mal wissen wollen, wer denn da diese Köstlichkeiten auf den Teller bringt. "Ja", sagt Hein, "wir stehen hier im Fokus der Leute. Mal eben den Löffel ablecken - das fällt auf."

Erwähnenswert und ausgesprochen köstlich ist das so genannte "Zigarrendessert", das die Kreateure der Küche extra für das Victorian entwickelt haben. Soviel sei verraten: Was da im echten Zigarrenkästchen auf den Tisch kommt, ist nicht nur witzig, sondern auch ein unbedingte Muss für Naschkatzen. Dazu gehört ein selbst gemachtes Knuspernougat, Whisky-Eis und ein fluffiger Zitronenschaum, der mit Whisky übergossen ist sowie geräucherte Schokolade. Kosten: 17 Euro für zwei Personen.

Quelle: RP
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