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Düsseldorf
Macbeth als zerknautschte Puppe

Düsseldorf. Mit Zitaten aus Shakespeares Werk nahm es das Ensemble im FFT nicht so genau. Von Thomas Hag

Es gibt keine Helden mehr. Schurken aber auch nicht. Zumindest auf der Bühne nicht mehr. Was also machen sechs Autorinnen und Autoren aus ganz Europa, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, der Türkei oder aus Lettland, mit dem Stoff, der alles hat: Mord, Intrige, Rache, Übersinnliches - mit Shakespeares Macbeth? Alles. So könnte die knappe Antwort im FFT Juta lauten, denn das Fringe Ensemble hatte die Autoren ja nicht um eine Neu-interpretation gebeten, auch nicht um einen Remix, sondern um sechs kürzere Stücke, die in der Jetztzeit spielen und mindestens einmal Bezug auf das Drama nehmen sollten. Großzügige Vorgaben, und so machte es wenig Sinn, nach Originalzitaten zu suchen - auch wenn man das dennoch getan hat.

Vielmehr musste man diese Vorführungen als Bestandsaufnahme der jeweiligen Verhältnisse einordnen, zusammengehalten durch die Motive des großen Barden William Shakespeare. Vorab: Gemäß der Voraussetzungen, die sich das Bonner Ensemble unter Leitung von Frank Heuel gegeben hat, ist elisabethanisches Theater gar nicht möglich. Stattdessen erleben wir ein Konglomerat von gespielten Texten, die manchmal ineinander übergehen - ein schöner Effekt des Abends -, und die es mit den Zitaten nicht so genau nahmen.

"Ob's edler im Gemüt...", heißt es. Ist das nicht aus Hamlet? An anderer Stelle wird versucht, die politischen Hintergründe der Tragödie als "Clash der Kulturen" zu deuten. "Jedes blaue Arbeiterhemd ist eine Welle, die gegen die Wand des Kapitalismus schlägt" stand so garantiert nicht bei Shakespeare, schafft aber Bilder des Untergangs, die verstören. An anderer Stelle ist es das nächtliche Klopfen, das an die Unruhe nach der Tat erinnert, und der Wald, der marschiert, geht auf die Prophezeiung der drei Hexen zurück. Wenn Macbeth tatsächlich auftaucht, dann als zerknautschte Handpuppe mit Krone, mit der ein Schauspieler über Sinn und Unsinn seines Berufes sinniert.

Zum stärksten Beitrag des Abends gerät ein Fragenkatalog der Französin Marie Nimier, den Nicole Kersten eindringlich und überzeugend auf die Bühne bringt. Zwischendurch hören wir einen schönen Blue à la Nick Cave und lassen Macbeth von einem Ermittler nach dem Geheimnis seines Erfolges befragen - insgesamt ein über weite Strecken gelungener Versuch.

Quelle: RP
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