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Düsseldorf
Marcel Beyer wird Düsseldorfer Literaturpreisträger

Düsseldorf. Der 50-jährige Autor und Dichter wird vor allem für seine Lyrik geehrt; darin bezieht er sich auch auf Thomas Kling. Von Lothar Schröder

Offenbar ist Marcel Beyer einer, den man gerne ehrt. Seit 1991 - also mit seinem Romandebüt "Das Menschenfleisch" - wurden ihm bislang 25 Literaturpreise verliehen, darunter fast alle namhaften. Gestern kam der 26. hinzu: Marcel Beyer wird Düsseldorfer Literaturpreisträger 2016 und darf sich über eine Preissumme von 20.000 Euro freuen.

Mag sein, dass neben der Qualität seiner Werke auch die literarische Unberechenbarkeit den Preissegen förderte. Beyer begann als Lyriker, dessen Gedichte unverkennbar von den Arbeiten Friederike Mayröckers beeinflusst waren. Über die österreichische Dichterin und Lebensgefährtin von Ernst Jandl hatte Marcel Beyer zudem wissenschaftlich gearbeitet. Sein Durchbruch aber gelang ihm mit Prosa - mit dem Roman "Flughunde" aus dem Jahr 1995. Der erzählt verwegen vom Ende des Zweiten Weltkriegs, indem die Geschichte aus den Perspektiven eines fanatischen Akustikers in Nazi-Diensten sowie einer Goebbels-Tochter transportiert wird. Schon in diesem Prosawerk ist es Beyer um die Instrumentalisierung von Sprache gegangen. Das Thema hat ihn bis heute nicht losgelassen. So kritisierte er in seiner Dankesrede zum Heinrich-Böll-Preis 2001 jene Autoren, die sich inflationär zu tagespolitischen Ereignissen zu Wort meldeten. Nichts gegen Engagement und Einmischung; doch würden solche massive Bekundungen von Autoren eine Art Missbrauch der Sprache darstellen. Auch so etwas reicht schon aus, um im eher geruhsamen Literaturbetrieb hierzulande als "Ruhestörer" zu gelten.

Nach "Flughunde" ließ Marcel Beyer weitere Romane folgen, Erzählungen, Essays, ein Opernlibretto und immer wieder Gedichte - zuletzt mit dem Band "Graphit" von 2014. Besonders auf dieses Werk beziehen sich jetzt die Düsseldorfer Juroren, die dem 50-Jährigen attestieren, mit seiner akribisch genauen Sprache sowohl Alltägliches als auch Zeithistorisches zu thematisieren. Spannend an "Graphit" ist aber auch, dass der in Kiel und Neuss aufgewachsene Autor sich literarisch seinen Wurzeln annähert. Dies geschieht vor allem über einen anderen Dichter, der ihm poetisches Vorbild und als Düsseldorfer Literaturpreisträger auch Vorgänger war: über den vor elf Jahren gestorbenen Thomas Kling. Beyers Blick zurück aufs Rheinland ist in vielen Gedichten auch ein Blick zurück auf Kling. Mit seinem Tod, sagt Beyer, sei einfach eine Leerstelle entstanden, die seine Gedichte immer wieder umspielen. Auch dies eine liebevolle Form der Hommage.

Der Düsseldorfer Literaturpreis wird durch die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse vergeben und in diesem Jahr am 6. Juni verliehen.

Quelle: RP
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