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Düsseldorf
Markus Stockhausen im freien Trompetenflug

Düsseldorf. Der 1957 in Köln geborene Trompeter und Komponist gastierte mit dem Pianisten Florian Weber im Weltkunstzimmer. Von Ingo Hoddick

"Hier ist ja tolle Stimmung, wirklich." Der Pianist und Komponist Florian Weber meint das nur halb ironisch, als er schon nach paar Nummern seinen Auftritt zusammen mit dem Trompeter und Komponisten Markus Stockhausen beim Asphalt-Festival in der ganz gefüllten Glashalle im Weltkunstzimmer, dem Kunstzentrum der Hans-Peter-Zimmer-Stiftung, kommentiert. Denn im Industrieambiente der ehemaligen Flingerner Backfabrik lauscht das Publikum still und leise, wippt nur wenig mit, lässt seine zunehmende Begeisterung nur zwischendurch von der Kette. "Dieser Abend ist ein Geschenk", freut sich Christof Seeger-Zurmühlen, neben Bojan Vuletic einer der beiden Festivalmacher.

"Zeitgenössischer Jazz" ist angekündigt. Durchaus zu Recht - freilich lässt sich ein Markus Stockhausen nicht in solche Schubladen einpassen. Die Grenzen zwischen Jazz, Weltmusik und moderner Klassik sind bei dem 1957 in Köln als Sohn des Komponisten Karlheinz Stockhausen geborenen Musiker fließend, sowieso zwischen "E" und "U". "Inneren Frieden" sieht er nach eigener Aussage als das Wichtigste in der heutigen Zeit an: "In Frieden mit sich selbst, seinen Nächsten . . . dann gibt es keinen Grund für Zwietracht, Hass, Eifersucht, Neid, Dominanz, Aggression usw. Diesen Frieden, Glück, Gesundheit und Erfolg wünsche ich allen Menschen dieser Erde."

Im Duo "Inside Out" mit Florian Weber legt Markus Stockhausen den Fokus auf die Jazz-Seite seines Künstlertums, Optimismus und Spiritualität sind dabei nur freundlich-unaufdringlicher Hintergrund. Jazz ist Freiheit, in diesem Fall freier Flug auf bekannten Bahnen, irgendwo zwischen Barmusik und Bebop. An diesem Abend hören wir überwiegend von beiden komponierte Nummern aus "Alba", ihrer jüngsten gemeinsamen CD, natürlich mit ganz neuen und durch den Raum inspirierten Improvisationen.

Der Stutzflügel steht auf der flachen Spielfläche, vor einem stählernen Schiebetor, in wechselnder farbiger Beleuchtung. Der Trompeter geht auch mal drumherum, einmal um mit einem Percussion-Ei den Pianisten anzutreiben. Das klangliche Ergebnis ist mal eher gefällig, mal fast abstrakt, immer aber locker auf den Punkt gebracht. Das könnte leicht langweilig werden, böten die beiden Musiker nicht zugleich eine atemberaubende Spieltechnik und einen verblüffenden Einfallsreichtum. Markus Stockhausens Trompetenklang ist hell und klar, eigentlich eher klassisch als jazzig - schließlich studierte er von 1974 bis 1982 an der Kölner Hochschule für Musik sowohl klassische Trompete (bei Robert Platt) als auch Jazztrompete (bei Manfred Schoof), und sein berühmter Vater schrieb mehrere Werke für ihn, vor allem diverse Solopartien etwa in "Michaels Reise um die Erde" oder "Samstag aus Licht".

Als Jazzer bevorzugt Markus Stockhausen das Flügelhorn - das wirkt weicher und etwas dunkler, aber auch modulationsfähiger. Er kann sogar auf der besonders hoch klingenden Piccolotrompete improvisieren, die man sonst von der Barockmusik auf modernen Instrumenten kennt. Das tat er im Weltkunstzimmer allerdings nur bei dem besonders rasanten letzten Stück des offiziellen Programms, vor der unerlässlichen Zugabe.

Florian Weber besticht durch einen Anschlag, der ebenfalls hell und klar erscheint, und er verzichtet auf Zierrat, obwohl er machmal auch eine fast rockige Pranke zeigt. Er ist kein Virtuose im negativen Sinn, aber ganz nebenbei sieht man gelegentlich, was er alles kann, wenn er etwa ein mehrstimmiges Begleitmuster alleine mit der linken Hand spielt. Das Duo ist perfekt eingespielt und kann sich auch Scherze erlauben. Als der Pianist ein Stück begann und der Trompeter ihm bedeutete, er solle schneller spielen, reduzierte er erst einmal das Tempo, und beide mussten grinsen.

Dieses Konzert wäre für Hardcore-Jazzfans zu wenig swingend, zu "gerade" und fast platt gewesen, für anspruchslose Konsumenten dagegen zu anstrengend. Im Weltkunstzimmer traf sich jetzt eine zufriedene Schnittmenge: Menschen mit offenen Ohren und gepflegter Konzentrationsfähigkeit, übrigens mit einem erfreulich niedrigen Altersdurchschnitt. Auch das war also anders als bei einem "gewöhnlichen" Jazzkonzert.

Quelle: RP
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