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Düsseldorf
Matthias Brandt in Düsseldorf gefeiert

Düsseldorf. Matthias Brandt, der hochgelobte und vielbeschäftigte Schauspieler, ist wohl bekannt - auch beim Düsseldorf Festival, wo er bereits mehrere Male brillierte. Diesmal ist er aber nicht als Rezitator fremder Werke gekommen, sondern mit seinem eigenen schriftstellerischen Debüt "Raumpatrouille". Der Titel erinnert einen zunächst an die gleichnamige ARD-Sendung aus den 60ern, gleich wähnt man sich an Bord des Raumschiffs Orion. Matthias Brandt nimmt einen dann aber nicht mit in unendliche Weiten, sondern in seine Kindheit, in der sich der Siebenjährige auch manchmal wie ein Astronaut fühlte, der auf einem fremden Planeten gestrandet ist. Von Thomas Hag

Es braucht jedoch einige Zeit, bis man erraten kann, wer denn die Eltern des manchmal etwas sonderbaren Jünglings sind - nämlich Willy Brandt, der vierte Bundeskanzler der Republik, und seine Frau Rut. Da wird denn auch verständlich, warum der junge Matthias so fasziniert ist vom ersten Übernachtungsbesuch bei den Nachbarn. So etwas war der Vielbeschützte nicht gewöhnt.

Geschickt ruft der Autor die Insignien der Siebziger auf, die Romika-Hausschuhe, die Adidas-Trikots, die Nicki-Pullover und andere Marken, die beim jungen Brandt zunächst Bewunderung und dann Neid auslösen. Die eigenen Versuche, so etwas wie Bewunderung auszulösen, misslingen jedoch völlig. Dazu gehört auch, den hauseigenen Hamster an einer Art Rakete zu befestigen. Die Mission scheiterte zum Glück des Hamsters.

Ganz missrieten zudem die Versuche mit einem Zauberkasten. Ein Feuer brach im Zimmer aus, von dem der erwachsene Brandt zur Freude des ausverkauften Zeltes am Burgplatz erzählt.

Auch von seinem Vater erzählt er, vom hässlichen Ausspruch eines Freundes: "Willy Brandt - Volksverräter an die Wand". Berührend indes die Szene, in der der Sohn sich ehrfurchtsvoll dem Vater nähert, der ihm schließlich - Ausdruck seltener Intimität - etwas vorliest. Wer hätte schon gedacht, dass Willy wie "Pa" aus "Bonanza" klingt.

Erweitert wird "Raumpatrouille" durch die Songs von Jens Thomas - Brandts langjährigem Bühnenpartner -, die auf dem zum Buch erschienenen Album "Memory Boy" versammelt sind. Ambient-Sounds und mächtige Balladen gibt es zu hören, zuweilen stimmt der Autor mit dem Musiker ein. Das wäre doch vielleicht etwas für das nächste Düsseldorf Festival: ein Konzertabend mit Jens Thomas.

Quelle: RP
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