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Düsseldorf
Max Goldt liest seine Mini-Dramen im Zakk

Düsseldorf. Er ist ein Meister des Wortes, sicher auch des Satzes. Aber vor längeren Texten scheut der Kleist-Preisträger Max Goldt zurück. Wie jemand sagte: Er ist der beste deutsche Schriftsteller, der nie einen Roman geschrieben hat. Schon lange kommt er ins Zakk und liest aus seinen Texten, so auch dieses Jahr. Eine neue Textsammlung mit dem Titel "Räusper" hat er dem bis fast auf den letzten Platz besetzten Auditorium mitgebracht. Einen Toast müsste man auf ihn ausbringen - hätte er das nicht schon vor Jahren missverstanden und auswringen daraus gemacht.

"Geht ja schließlich auch: Reichlich gute Butter auf eine heiße Scheibe Toast streichen und dann das durchfeuchtete Brot über dem Kopf einer ungeliebten Person auswringen." Gesellschaftliche Missstände prangert er von hinten herum an, als hätten sich Erica Fuchs und Loriot zusammengetan. So wird die Kritik am Wüstenstaat Katar zu einer Reisebeschreibung der besonderen Art. Es ist eine seltsame Welt, in der man sich vorkommt, wie eine "siebenbeinige Ente" oder "eine Spinne mit einem Bein zu viel". Da wird die Realität ins Absurde überführt.

Wie in "Ein gelungener Antrittsbesuch", wenn die Schwiegereltern in spe den Beruf des zukünftigen Schwiegersohns kommentieren, der mit Fäkalien zu tun hat, "Solange der Bedarf besteht", sagt die Mutter. Der Vater: "Man muss mit der Zeit gehen! Als ich in den siebziger Jahren begann, marokkanische Sitzkissen zu importieren, haben sich auch alle an den Kopf gefasst." Solcherlei Minidramen gibt es viele. Der gut gelaunte Max Goldt trägt sie mit weichem Bariton vor. Thomas Hag

Quelle: RP
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