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Düsseldorf
Messe mit Büchern jenseits des Alltäglichen

Düsseldorf. Auf der Buchmesse "text&talk" im NRW-Forum stellten unabhängige Verlage ihr Repertoire vor. Von Thomas Hag

Zum vierten Mal trafen sich die unabhängigen Verlage in Nordrhein-Westfalen, dieses Mal im NRW-Forum. "text&talk" heißt diese Messe, auf der sich 26 Verlage und Literaturmagazine zusammenfanden und den geneigten Lesern ihr Repertoire vorstellten. An jedem Stand versammelten sich die Bücherfreunde und -freundinnen, informierten sich über die Programme, kamen intensiv mit denen zusammen, die dafür verantwortlich zeichnen, stöberten in deren Angeboten und hatten auch die Möglichkeit, Bücher zu erwerben. Vorträge und Gespräche ergänzten das zu Lesende, ein Treffpunkt also für diejenigen, die Bücher jenseits des Mainstreams lieben.

Aufwendig und originell sind fast alle diese Buchobjekte, der erste Blick fällt auf den ZAGAVA-Verlag aus Düsseldorf, der seit einigen Jahren liebevolle Editionen aus dem Bereich der phantastischen Literatur veröffentlicht - in kleinen Auflagen und auf Englisch. Stammkunden und Sammler verfolgen die Editionen. Soeben ist eine Anthologie mit dem Titel "Booklore" erschienen, in der sich Autoren mit ihrer Obsession für das Gedruckte befassen.

Auch dieses Buch ist zusätzlich in einer limitierten Fassung erschienen. Zuletzt hat sich Verlagschef Jonas J. Ploeger mit dem in Kuba ansässigen "ediciones vigia" beschäftigt. Faszinierend sein Vortrag und seine Aufnahmen von den für unsere Verhältnisse primitiven Umständen, unter denen dort mit Papier und Klebstoff Bücher gefertigt werden. Das sind kleine Kunstwerke in überschaubaren Auflagen, die oft mit Schnüren sowie anderen Materialien versehen werden und Beweise einer ursprünglichen Volkskunst sind. Neben seiner Tätigkeit als Verleger und Antiquar ist Ploeger auch Sammler des amerikanischen Autoren und Zeichner Edward Gorey.

Um dieser Leidenschaft nachzugehen, hätte er nur ein paar Schritte zum Stand des in Düsseldorf wohlbekannten Lilienfeld-Verlags schlendern müssen. Dort sind einige Werke Goreys in neuer Übersetzung erschienen. Verlagsleiter Axel von Herbst hatte sich dazu entschlossen, nachdem der Diogenes-Verlag dessen Werk nach ersten Erfolgen arg vernachlässigt hatte.

Aber auch Zeitgenössisches gibt es bei Lilienfeld, ein Buch mit den versammelten Texten von Punk-Pionier Peter Hein (Mittagspause, Fehlfarben, Family Five) und seinen Beobachtungen auf Tournee etwa. Von Lyriker Thomas Kling gibt es eine Sammlung von vier CDS.

Hörbücher gibt es auch im onomato-Verlag auf der Birkenstraße, vieles über Franz Kafka, auch ein Band über Dora Diamant, Kafkas "letzter Liebe". Zu den Düsseldorfer Verlagen gehört auch die Edition Virgines, ebenfalls mit einem gewichtigen und schönen Band über Kafka vertreten - und auch mit Büchern über nordrheinwestfälische Museen. Museal geworden sind auch die Elektronik-Pioniere von Kraftwerk, die gleich bei Lilienfeld und bei der "düsseldorf university press" vertreten sind.

Vieles gibt es zu entdecken, auch den Mirabilis Verlag von Barbara Miklaw. Sie hat den bemerkenswerten Autor Rainer Rabowski aus Düsseldorf verlegt, dessen Werk auch bei Onomato erscheint. Prosatexte über die Vennhauser Allee finden sich anderswo wahrscheinlich nicht so oft.

Quelle: RP
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