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Düsseldorf
Millionär undercover

Düsseldorf: Millionär undercover
Szene aus "Drei Männer im Schnee": Millionär Tobler (Christof Düro) mit Diener Johann (Michael Schäfer), Hausdame Kunkel (Ute Stein) und Tochter Hilde (Kerstin Bruhn). FOTO: Peter Bocklage
Düsseldorf. Ein Unternehmer, der sich als armer Teufel ausgibt, und ein Arbeitsloser, der plötzlich hofiert wird - in der Komödie an der Steinstraße feierte Erich Kästners "Drei Männer im Schnee" eine umjubelte Premiere. Von Regina Goldlücke

Manchmal passiert es im Boulevard-Theater, dass ein Abend vom ersten Moment an einen Zauber entwickelt und ihn nicht mehr verliert. Bei der Premiere von "Drei Männer im Schnee" in der "Komödie" war genau das zu erleben. Da wurde ein Klassiker auf die Bühne geholt, der mit seinem liebenswürdigen Charme kein bisschen entstaubt werden musste. Das liegt an der Qualität der Vorlage: Erich Kästner schrieb den gleichnamigen Roman 1934 und lieferte auch das Drehbuch für die Verfilmung im Jahre 1955.

Fabian Goedecke setzte den Stoff mit sicherem Gespür für fein dosierte Pointen um. Als Regisseur und Hauptdarsteller war er doppelt gefordert: Er spielt Dr. Fritz Hagedorn, einen arbeitslosen Werbefachmann, der beim Preisausschreiben von "Putz blank" den Glückstreffer zog und zehn Tage in einem mondänen Alpenhotel verbringen darf. Als zweiter Gewinner wird ein gewisser Herr Schulze erwartet, von dessen wahrer Identität niemand erfahren soll: Es handelt sich um Geheimrat Tobler, den millionenschweren Besitzer von "Putz blank". Er will sich in rustikalen Klamotten und erkennbar mittellos in das Hotel schmuggeln, um den Menschen nahe zu sein. "Als armer Teufel will ich das Glashaus demolieren, in dem ich sitze", sagt er.

Seinen treuen Diener Johann nimmt er mit, doch ist ihm strengstens untersagt, seinen Herrn anzusprechen. Flugs wird ihm edle Kleidung verpasst und der richtige Auftritt als feiner Herr geprobt: "Beton in den Waden, Halbgefrorenes im Blick", kommandiert Tobler alias Schulze. Christof Düro als gemütvoller Geheimrat und der 1,99-Meter-Schlaks Michael Schäfer sind ein köstliches Gespann. Hausdame Kunkel (Ute Stein) würde den kuriosen Plan mit den vertauschten Rollen am liebsten verhindern. Auch Toblers Tochter Hilde (Kerstin Bruhn) ist skeptisch und versucht, das Schlimmste zu verhindern. Telefonisch informiert sie den Hoteldirektor über den getarnten Millionär, der als Preisausschreiben-Gewinner anreist, gibt dessen Vorlieben durch (Ziegelstein im Bett, siamesische Katzen), kommt aber nicht mehr dazu, seinen Namen zu nennen.

Im Grandhotel herrscht helle Aufregung. Ein exzentrischer Millionär! Inkognito! Der beflissene Direktor (Volker Conradt), der Portier (Sven Post) und der Page (eine Mini-Rolle für Wolfgang Ganzera, den Wirt im Theatercafé) treffen alle Vorbereitungen. Vor lauter Eifer gehen sie gleich dem ersten "Putz blank"-Gewinner auf den Leim. Es ist aber Fritz Hagedorn, der sich bald über merkwürdige Zuwendungen wie drei fürchterlich kratzende Katzen wundert: "Gibt es hier in allen Zimmern Tiere?" Die Ankunft des echten Millionärs wird dagegen rüde kommentiert: "Betteln und hausieren verboten!" Man will den Kerl so schnell wie möglich hinausekeln, um die vornehmen Gäste nicht zu vergraulen. In seinem ungeheizten Dachstübchen gefriert das Wasser in der Waschschüssel, und es ist so winzig, dass er sagt: "Scheint die Sonne rein, muss ich raus."

Die Demütigungen erträgt Herr Schulze fröhlichen Gemüts, fegt klaglos den Eingang und die Eisbahn und erledigt Botengänge. Mit Hagedorn freundet er sich an. Der versteht die Welt nicht mehr: "Sie werden schikaniert, ich werde verwöhnt." Zudem muss er sich der Avancen zweier weiblicher Gäste erwehren, die den vermeintlichen Millionär aufdringlich umschwirren (Michaela Klarwein und Reinhild Köhncke). Aber dann entdeckt er auf der Sonnenterrasse eine liebreizende junge Frau in Begleitung ihrer Tante, ist auf der Stelle schockverliebt und gesteht seinem Kumpel Schulze: "Die werde ich heiraten!" Er ahnt nicht, dass er dessen Tochter Hilde und Hausdame Kunkel begegnet ist, deren Ankunft den Geheimrat schwer erbost: "Ihr macht hier alles kaputt!"

Aber natürlich gibt es irgendwann ein Happy End. Die Zuschauer verfolgen die "Drei Männer im Schnee" mit großem Vergnügen: den drolligen Diener mit seiner wunderbaren Komik, den gutmütigen Geheimrat, den begeisterungsfreudigen Hagedorn. In dieser warmherzigen Komödie glänzen alle Schauspieler, und mit welchen Facetten Ute Stein die besorgte Hausdame versieht, ist ein Kabinettstückchen für sich. Ein Theaterabend wie ein warmes Bad, dem man sich wohlig hingibt. Das Publikum lächelte beseelt und bedachte das Ensemble mit stürmischem Beifall.

Quelle: RP
 
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