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Düsseldorf
Mit dem Theaterbus durch unsere Konsumwelt

Düsseldorf. Die Produktion "Godspeed" der Bürgerbühne am Schauspielhaus widmete sich auf einer Busfahrt den Helden des Alltags. Von Merlin Bartel

Busfahren macht den wenigsten Menschen Spaß. Man wartet gefühlt stundenlang, dann findet man zu Stoßzeiten keinen Platz und beschwert sich über die Fahrweise des Busfahrers. Die Produktion "Godspeed" der Bürgerbühne am Schauspielhaus macht jedoch aus einer Bustour ein einzigartiges Erlebnis.

Nach einer kurzen Szene im Café Eden am Jungen Schauspiel, die einen Vorgeschmack auf das fahrende Theaterstück gibt, geht die Reise los.

Von außen sieht der Bus aus wie jeder andere, doch sein Inneres ist anders: Ein Gitarrist, mehrere Schauspieler sowie 30 Zuschauer haben Platz genommen. Niemand guckt auf sein Handy, alle schauen gespannt zum Mittelteil des Busses.

Dort spielt sich das abwechslungsreiche Programm ab: Passend zum Thema "Superhelden Reloaded" sucht die Besatzung Helden des Alltags. Die Schauspieler erklären, dass selbst bekannteste Helden aus "unzureichenden" Verhältnissen kamen und dennoch Helden wurden. Das Wort "unzureichend" wird das Publikum an diesem Abend noch unzählige Male hören. Seine Bedeutung: Nichts ist, wie es eigentlich sein sollte.

Die Route führt nach Derendorf, am Hauptbahnhof entlang, zu Kö und Rheinterrassen. An unterschiedlichen Stationen macht der Bus Halt, um zu verdeutlichen, dass die Situation dort unzureichend sei. Die neugebaute Luxussiedlung "Pandion d'Or" in Pempelfort hat hohe Zäune und prunkvolle Wohnungen; teure Autos parken vor den Appartements. Und trotzdem streben viele Menschen nach mehr. Auch in der Innenstadt steht für die Gesellschaft der Konsum im Fokus.

Diesen Eindrücken werden Gedichte und Lieder entgegengehalten, etwa ein Abgleich der Ziele der "Agenda 2030" der Vereinten Nationen mit der Realität - nach jetzigem Stand werden sie krass verfehlt.

Daneben gibt es Vorträge: In einem stellt Michaela Hagemann ihre Arbeit als Helferin von minderjährigen Flüchtlingen dar - ganz klar eine Heldin des Alltags. Zwischen den Beiträgen werden Lieder über Helden gesungen, und zwar von allen Fahrgästen. Da kommt Klassenfahrtstimmung auf.

Diese Heldenreise wird am Montag, 21. November, ab 19 Uhr, fortgesetzt. Der zweite von zehn Terminen trägt den Titel "Der Ruf des Abenteuers".

Quelle: RP
 
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