| 00.00 Uhr
Düsseldorf
Mit den Kleinen ins Pop-Konzert
Düsseldorf. Pop, das war mal ein Akt der Rebellion. Zu Jim Morrisons Auftritten ging man nicht in Elternbegleitung. Allein der Gedanke – völlig abwegig. Sich abgrenzen vom Musikgeschmack, vom Lebensstil der Eltern, darum ging es. Heute nehmen immer mehr Eltern ihre Kinder mit zu Konzerten. Auch der Musikgeschmack nähert sich an. Von Verena Patel

In Düsseldorf machen viele Konzertveranstalter derzeit andere Erfahrungen. Beim Open Source Festival auf der Galopprennbahn gehören Kinder und Jugendliche fest zum Erscheinungsbild. Mal tragen sie riesige Schutzkopfhörer, sind noch klein genug, um auf Papas Schultern zu sitzen und den besten Ausblick zu genießen. Aber auch Jugendliche kommen mit. "Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass sich das so entwickelt", sagt Philipp Maiburg, künstlerischer Leiter des Open Source Festivals. Dass Kinder wie selbstverständlich mitgebracht würden, sei ein Zeichen dafür, dass Popmusik in der Gesellschaft angekommen sei. "Mittlerweile sind ja mehrere Generationen mit Popmusik aufgewachsen, bei Konzerten von Depeche Mode sind teilweise schon drei Generationen von Zuhörern vertreten." Ähnlich berichten es Fans von Konzerten der Toten Hosen. "In England oder Frankreich ist das schon länger so, dort ist Pop als Kultur stärker und länger verankert", erklärt Maiburg.

Auch Manuel Schottmüller, Programmleiter beim New Fall Festival, bestätigt diesen Trend. Für Eltern spielten auch praktische Aspekte eine Rolle, sagt der zweifache Vater. "Zu unseren Veranstaltungsorten, der Tonhalle und dem Robert-Schumann-Saal, kann man Kinder gut mitnehmen. Dort kann man sitzen, und es ist genug Platz. Außerdem fangen die Konzerte um 19 oder 20 Uhr an, bei vielen Festivals beginnen sie viel später." Seiner Meinung nach sind einerseits junge Eltern offener dafür geworden, ihre Kinder mitzubringen, aber auch die Konzertmacher nähmen zusehends Rücksicht auf junge Besucher. "Bei manchen Festivals gibt es keinen Platz, um mal mit den Kindern seine Ruhe zu haben. Beim Open Source Festival oder beim Dockville in Hamburg ist das allerdings gut möglich."

Schwieriger ist die Situation für viele Spielstätten klassischer Musik. Die Konzerthäuser in den großen Städten bemühen sich seit rund zehn Jahren mit eigenen, altersgerechten Programmen darum, junge Besucher für Musik zu begeistern. Das Schlüsselwort heißt: Lebensweltbezug. "Wir schauen uns an, womit Kinder sich beschäftigen, und versuchen dann, eine Brücke zur Musik zu schlagen", erklärt Ariane Stern, Konzertpädagogin der Tonhalle. Wichtig sei dabei, dass sich die jungen Zuhörer nicht als bloßes Anhängsel ihrer Eltern fühlten. "Sie sollen die Hauptperson sein, und auch auf der Bühne soll kein Fremdkörper sitzen", erläutert Stern. Die Nachfrage sei vor allem bei den Konzerten, zu denen Kinder noch in Elternbegleitung kommen, sehr groß. Stern führt das auch darauf zurück, dass viele Eltern ihre Kinder früh und breit gefächert fördern wollen. "Schwieriger wird es bei den Jugendlichen, denn sie sind kein Stammpublikum, sie haben noch viele andere Interessen und reagieren spontan."

Jochen Molck, Geschäftsführer des Zakk, stellt fest, dass sein Publikum sich auch ohne spezielle Angebote verjüngt. "Wir bekommen immer öfter Anfragen von Elf- oder Zwölfjährigen, die uns fragen, ob sie unsere Konzerte besuchen dürfen. Noch vor ein paar Jahren waren das eher die 16- oder 17-Jährigen." Auch Eltern erkundigten sich häufig danach, ob sie Kinder mitbringen können. Molck begrüßt den regen Nachwuchs, sieht aber auch Schwierigkeiten für die Kinder. "Eltern sollten sich fragen, ob die Konzertsituation für ihr Kind geeignet ist. Oft ist es laut, eng, und die Kinder können nichts sehen. Das erste Mal zu einem Konzert zu gehen, ist außerdem ein Erlebnis, was zum unabhängig-Werden dazugehört. Dieses Stück Jugendzeit sollte man den Kindern nicht vorwegnehmen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar