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Düsseldorf
Mit Element of Crime ist die Welt noch irgendwie in Ordnung

Düsseldorf. Vor allem die Stücke der älteren Platten spielte die Band um Sänger Sven Regener beim Konzert im Stahlwerk. Von Simon Langemann

Es scheint, als sei Sven Regeners Stimme eine Ecke schroffer geworden, seit Element of Crime im Oktober 2013 in der Tonhalle spielten. Irgendwie anders, bissiger, rustikaler, intensiver. Aber gut klingt sie. Vielleicht verhält es sich wie mit lang gereiftem Käse oder Wein.

Kommt man um kurz vor 21 Uhr am Stahlwerk an, schallt der präsent abgemischte Gesang des Songwriters, Texters, Trompeters, Gitarristen und Band-Sprachrohrs bis auf die Ronsdorfer Straße und erinnert einen wieder daran: Verlass dich bei Musikern über 50 nie darauf, dass sie ihr Konzert erst zur angekündigten Uhrzeit beginnt.

Im Innern der Halle erübrigt sich die Frage, warum es Sven Regener, Jakob Ilja, Richard Pappik und David Young keine Kopfschmerzen bereitet, ihr Werk von heute auf morgen von Streaming-Portalen wie Spotify zu entfernen. Hier treffen Zeitzeugen des 1990er-Höhenflugs der CD auf jene Generation, die selbst für das aktuelle Vinyl-Revival nur ein müdes Lächeln übrig hat. "Too old to die young", so nennt es die Band selbst auf ihrem beliebten T-Shirt-Motiv.

Und natürlich drängt sich dann und wann die Phrase auf, dass Element of Crime die besten Zeiten, selbst die Höhepunkte ihres Spätwerks, allmählich hinter sich haben. Etwa hinsichtlich der Tatsache, dass wohl kein Stück der jüngsten Platte "Lieblingsfarben und Tiere" jemals so bejubelt werden wird wie "Delmenhorst" oder "Am Ende denk ich immer nur an dich". Oder bereitet die Band ohnehin schon die museale Selbstverwaltung ihres Werks vor? Es wäre angesichts der allgemeinen Bereitschaft, Ticketpreise von knapp 40 Euro zu bezahlen, kein allzu schlechter Plan. Was letztlich keine Rolle spielt, so lange sich, wo Element of Crime auftreten, das behagliche Gefühl einstellt, dass die Welt in Ordnung ist.

Hinten sitzen die Kinder auf dem Boxenturm, vorne findet sich der Saxofonist zu gegebenem Anlass im Spotlight wieder. Dazwischen geraten mit Jacken umgebundene Hüften behutsam in Bewegung, gelungene Gitarrensoli honoriert das Publikum mit Applaus. Gediegener kann ein so genanntes Rockkonzert kaum ablaufen. Doch noch immer schwingt in Regeners Stimme diese Wahrhaftigkeit mit, die es für den Abend völlig unbedeutend macht, ob er Stücke wie "Weißes Papier" nach über zwei Dekaden noch hören kann. Und ob seine knurrigen Anmoderationen nun dem Stegreif oder einem jahrelang einstudierten Kanon entspringen. Da ist immer noch Liebe in ihm. Und wo er steht, ist der Mittelpunkt der Welt.

Quelle: RP
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