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Düsseldorf
Mosebachs Held flieht aus Düsseldorf

Düsseldorf. Der Büchner-Preisträger Martin Mosebach las aus seinem neuen Roman "Mogador". Von Claus Clemens

"Mogador" heißt das neue Buch von Martin Mosebach. Das klingt irgendwie nach Werbung für Schokolade oder Eiscreme. Vielleicht aber auch nach "Marokko". Das wäre dann schon fast im Sinn des Büchnerpreisträgers, denn Mosebach lässt den Helden seines Buchs aus der Welt der Banker an die marokkanische Küste fliehen, genauer nach Essaouira. Die Stadt, die heute von Fischfang und Edeltourismus lebt, hieß früher einmal Mogador. Erste Überraschung bei der Lesung im ausverkauften Heine-Haus: Der Roman des Frankfurters Mosebach beginnt und endet in Düsseldorf. "Eigentlich eine schöne Sache", kommentierte der Kulturjournalist Hubert Winkels, der den Abend moderiert.

Aber warum denn nicht gleich in der deutschen Bankenmetropole bleiben? Das hätte mit den besseren Fluchtmöglichkeiten zu tun, entgegnete der Autor. Von Düsseldorf aus sei man halt schneller im Ausland. Am Anfang der Handlung geht es nämlich um Korruption und Geldwäsche. In die verstrickt sich die Romanfigur Patrick Elff, ein klassisch gebildeter Philologe, der es in der Finanzwelt zu höheren Weihen gebracht hat. Die erste von vier gelesenen Passagen des Romans zeigte den Protagonisten in einem feinen Pariser Restaurant zusammen mit Monsieur Pereira, der aus jenem Mogador stammt. Dort, bei seinem in Schmiergeldsachen versierten Bekannten, sucht Ellf später vergeblich Schutz vor realer oder eingebildeter Verfolgung.

Die zweite Überraschung war, wie gut der meist zurückhaltende Autor mit seinem Gesprächspartner harmonierte. Auch wer im Saal den Roman noch nicht gelesen hatte, wurde von Mosebach und Winkels auf elegante Art und Weise durch die verschlungene Handlung geführt. Zumal Martin Mosebach seine Texte auch wunderbar vorlesen kann. Laut und deutlich, angenehm artikuliert und mit Blickkontakt zum Publikum. Die Hörer waren angetan und zollten dem Autor immer wieder Beifall. In einer der klug ausgewählten Szenen beschaut Mosebach das ewige Naturtheater des Meeres und vergleicht die dem Strand entgegenziehenden Wellenreihen mit den Reitern der antiken orientalischen Armeen. Spätestens hier wurde deutlich, dass dieser Schriftsteller einer der großen Wahrnehmungs- und Sprachkünstler unserer Literatur ist.

Quelle: RP
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