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Düsseldorf
Musik an unsichtbaren Fäden

Düsseldorf. Kurt Dahlke begeistert als "Pyrolator" mit einer Sound-Performance der besonderen Art. Von Meike Glass

Am Anfang ist ein Rauschen. Monoton, laut und wummernd - als würde man auf dem Rollfeld eines Flughafens stehen, inmitten der startenden Motoren. Der gleichbleibend- dröhnende Klang nimmt den ganzen Raum ein - er drückt, ist körperlich spürbar. Und wird dann mit einer kleinen, knappen Handbewegung eines einzelnen Mannes gebrochen.

Es erinnert an die Arbeit eines Fluglotsen - um bei der Rollfeld-Metapher zu bleiben -, wenn man Kurt Dahlke alias Pyrolator bei der Produktion seiner Musik zusieht. Im Dämmerlicht, ganz in Schwarz gekleidet, steht der 58-Jährige auf der Bühne. Vor ihm bloß ein kleiner Bildschirm und in seinen Händen zwei Stäbe, jeder davon nicht größer als ein Filzstift. Der eine mit einem grün-leuchtenden LED-Licht versehen, der andere leuchtet in roter Farbe. "Thunder" und "Lightning II" heißen diese beiden Controller und sind alles, was Dahlke für seine knapp 60-minütige Sound-Performance benötigt.

Durch die Bewegung seiner Hände oder durch Druck auf die einzelnen Controller wird die Musik gesteuert. Dirigiert. Das ist ein beeindruckendes Bild: Dahlke, wie er ruhig und konzentriert auf der Bühne steht und nur seine Arme und Hände bewegt. Mit einer absoluten Genauigkeit und Präzision, die zu beobachten großen Spaß macht. Er malt Rhythmen, trommelt Impulse in die Luft, spürt Formen und Bewegungen nach, setzt zarte Punkte und zieht harte Striche mit seinen Controllern. Sucht man nach optischen Umschreibungen, kommt einem immer wieder das Bild eines Magiers vor Augen, eines Puppenspielers, der seine Musik an unsichtbaren Fäden durch den Raum bewegt.

Das anfängliche Rauschen erwächst im Laufe des Konzertes zu einem immer breiter werdenden industriell-mechanischen Sound mit wummernden Bässen und tiefen Tönen. Zwischenzeitlich bekommt das Ganze einen fast mythischen Klang, einlullend - und passt damit nur zu gut zu der Gestalt des "Musikmagiers" auf der Bühne. Zum Ende hin werden Dahlkes Bewegungen deutlich zackiger, spitz und springend, das schlägt sich auch in der Musik nieder. Bunte blitzende Impulse mit einem schnellen Beat zucken da durch die Luft und bestätigen das Gefühl, das schon die gesamte Performance über herrscht: Eigentlich sollten die Zuschauer tanzen.

Das Publikum in den Masterplan-Studios scheint das jedoch anders zu sehen. Zwar huldigen sie dem Musiker - der auf seiner musikalischen Biografie außerdem die Mitgliedschaft in Bands wie "DAF", "Der Plan" und "Fehlfarben" verzeichnen kann - mit einem großen Applaus, bleiben jedoch starr stehen oder gar sitzen. Das mag an der Wohnzimmer-Atmosphäre der Location liegen, schade ist es trotzdem.

Quelle: RP
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