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Düsseldorf
Musik vom Keller bis in die Laterne

Düsseldorf. Das Ensemble Klangraum 61 spielt ungewöhnliche Musik an ungewöhnlichen Orten. Auftakt des Musikfestivals ist im Schlossturm. Von Nicole Scharfetter

Der Rhein trägt wegen der Unwetter der letzten Wochen bedrohlich viel Wasser. Die roten Backsteinmauern im zweiten Untergeschoss des Schlossturms sind feucht. An manchen Tagen steht das Wasser bis unter die Decke. "Und der Rhein steigt weiter", sagt Annette Fimpeler. Aber die Leiterin des Schifffahrtsmuseums hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Sie glaubt fest daran, dass der Raum mit dem wunderbaren Echo am Freitag für das Musikfest Klangräume als Spielort genutzt werden kann. "Das Wetter soll besser werden", sagt sie, und immerhin kann das Ensemble Klangraum 61 schon im Kellergewölbe proben.

Schon viele Künstler sollen angefragt haben, und fast genauso vielen hat Fimpeler eine Abfuhr erteilt. "Wir haben normalerweise keine lebende Kunst, wir stellen aus", sagt sie. Bei Klangraum 61 allerdings wurde die Museumsleiterin schwach. "Weil die zum Teil eigens komponierten Stücke sich einfach so gut den Räumlichkeiten anpassen", findet sie.

Klangraum 61 sind Künstler des ART Ensembles NRW, "wir haben fast 30 Jahre mehr oder weniger heimatlos Musik gemacht", erzählt Miro Dobrowolny, Komponist und Leiter des Ensembles. Vor drei Jahren dann fanden die Musiker einen Raum in Flingern - und damit eine Heimat und einen Namen. Seitdem organisieren Klangraum 61 eine Art Festival, bei dem ungewöhnliche Orte mit ungewöhnlicher Musik bespielt werden. So wie das Schifffahrtsmuseum in der Düsseldorfer Altstadt, wo die Besucher die Musiker vom Kellergewölbe bis in die Laterne begleiten werden. "Das ist eine neue Form des Wandelkonzerts", sagt Miro Dobrowolny, der unter anderem das Stück "Rheinlandia" für den Abend komponiert hat.

"Die Künstler werden von speziellen Klangelementen unterstützt", erklärt Dobrowolny - Michaela Fritz zum Beispiel fährt mit ihren Fingerspitzen auf dem Rand eines gefüllten Weinglases entlang. Natürlich kommt das Wasser aus dem Rhein. Parallel scharrt Fritz mit ihrem Fuß in einer Holzkiste, in der große und kleine Steinchen liegen, die ebenfalls am Rhein gesammelt wurden. Die Künstler haben sich Gedanken gemacht und so auch die Museumsleiterin überzeugt.

Zwei Vorstellungen werden am Freitag gespielt, aus Platzgründen können maximal 40 Personen auf einmal das Konzert besuchen. Anfangen wollen die Musiker im Kellergewölbe, das bis dahin hoffentlich trocken bleibt. "Wenn nicht, haben wir genug Ideen zum Improvisieren", sagt Miro Dobrowolny, der ohnehin auf die Spontaneität seiner Kollegen setzt.

Es gibt fest einstudierte Stücke, "andere entwickeln sich erst", sagt er. Mit dem Publikum, das beispielsweise im Keller sicher einen großen Einfluss haben wird auf den Sound. Diese Freiheit ist das Markenzeichen von Klangraum 61, die Gruppe handelt intuitiv, sie passt sich ihrer Umgebung an - nicht umgekehrt.

"Das Kellergewölbe hallt etwa acht Sekunden nach", erklärt Cellist Othello Liesmann. Da würde es keinen Sinn machen, ein schnelles Stück zu spielen - der Effekt wäre verloren. Klangraum 61 sind immer auf der Suche nach etwas Frischem, "wir wollen an Orten musizieren, die vorher noch nicht bespielt wurden", sagt Miro Dobrowolny. Dazu gehört auch der historische Abwasserkanal in Golzheim - dort ist das Ensemble am 1. Juli mit gleich fünf Vorstellungen zu Gast, weil dort noch weniger Menschen hineinpassen als in den Schlossturm. Alle 45 Minuten wird eine neue Gruppe empfangen - Musik wie am Fließband. "Aber die Akustik ist durch den Knick im Kanal eine ganz besondere", schwärmt Dobrowolny.

Quelle: RP
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