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Sportliches Düsseldorf
Nah dran ans Schweinchen

Düsseldorf. An vielen Orten in Düsseldorf treffen sich offene Gruppen zum Boule-Spiel. Der Spaß steht bei den Hobby-Sportlern im Vordergrund. Von Julia Brabeck

Es herrscht Aufruhr auf dem Fußweg zwischen Apollo-Platz und Landtag. "Himmel. Das ist aber gemein, Bruno", ruft Helga Hoffschild und erntet von Bruno ein sattes Grinsen. Der 77-Jährige ist seinem Spitznamen "Der Schießer" gerecht geworden. Er hat mit einem eleganten Wurf das gesamte gegnerische Feld ordentlich durcheinander gewirbelt und so die Partie für seine Mannschaft entschieden. Wie jeden Dienstag ab 10.30 Uhr ist Boule-Zeit. Wer die zumeist älteren Herrschaften zwischen 60 und 80 Jahren beobachtet, merkt schnell, dass Boule für sie kein Sport für Ehrgeizlinge und Hektiker ist. "Klar wollen wir gewinnen, aber bei uns stehen der Spaß und die Geselligkeit im Vordergrund", sagt Bruno Konietzny. Seit vier Jahren treffen sich die Boule-Freunde, die sich alle untereinander duzen. "Entstanden ist die Gruppe als Unterabteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) für dessen ältere Mitglieder. Inzwischen hat sich die Gruppe aber weiterentwickelt und besteht nur noch zu 30 Prozent aus SGVlern. Der Rest ist vereinslos", sagt Günter Cronenberg. Mit 80 Jahren ist er der Älteste auf dem Platz. "Boule ist aber keine Frage des Alters", sagt er. Zumal, wenn man über Hilfsmittel verfügt. So haben einige der Spieler Bänder dabei, an deren Ende sich Magneten befinden und mit deren Hilfe die Boulekugeln aufgehoben werden können - ohne sich zu bücken.

Die Magneten werden aber nur eingesetzt, wenn es nicht anders mehr geht, denn eigentlich schätzen die Spieler die Kombination aus Bewegung, frischer Luft und Geselligkeit. "Ich habe zum Beispiel Asthma und soll mich viel im Freien aufhalten. Da ist Boule doch wunderbar", sagt Bruno. Und weil er so viel Spaß hat, spielt er bis zu viermal in der Woche an unterschiedlichen Plätzen in der Stadt. "In Reisholz treffen wir uns am Dienstag um 15.30 Uhr am Katharinenplatz. Dort geht es etwas französischer zu." Damit meint Konietzny aber nicht, dass dort die französische Variante des Boulespiels, das Pétanque, zelebriert wird. Vielmehr gehört es dort dazu, in der Mitte der Spielzeit eine Flasche Wein zu öffnen und kleine Snacks zu verputzen.

Immer wieder bleiben Passanten stehen, um sich das muntere Treiben anzuschauen. Zwischendurch wird aber von den Spielern auch heftig debattiert. "Unsere Kugel ist eindeutig näher am Schweinchen", behauptet Antje Ott. Mit Schweinchen meint sie eine kleine Holzkugel, die als Ziel dient. Günter zückt das Maßband und muss der Frauenmannschaft den Sieg eingestehen. "Ich habe immer noch Ersatzkugeln dabei. Wenn also jemand spontan mitspielen will, ist er herzlich willkommen", sagt Bruno. Vorkenntnisse sind eigentlich nicht von Nöten, denn die Spielregeln sind denkbar einfach und somit schnell erklärt. Bettina Lieske-Erdmann ist auf diese Weise zu den Dienstagsspielern gestoßen. "Ich bin mit dem Fahrrad vorbeigefahren und haben gefragt, ob es sich um eine offene Gruppe handelt und ich mitspielen darf." Seit einem Jahr kommt sie nun regelmäßig zum Boule.

"Wer Boule spielen will und die Augen etwas aufhält, der findet eigentlich an vielen Stellen in der Stadt offene Mannschaften", da sind sich die Hobby-Spieler einig. Dazu gehören etwa Plätze im Nordpark, samstags und sonntags ab 14 Uhr, an der Mariensäule an der Orangeriestraße, dienstags um 14.30 Uhr, an der Orangerie in Benrath, freitags um 15 Uhr, am Alten Markt in Gerresheim, fast jeden Tag ab 16.30 Uhr und am Wochenende ab 15 Uhr. Beliebt sind noch der Kolpingplatz, der Frankenplatz, die gesamte Rheinuferpromenade und die Auffahrt zu Schloss Kalkum.

Quelle: RP
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