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Düsseldorf
Neue Heimat für rätselhafte Kunst

Düsseldorf. Der Künstler Josef Schulz hat in einer Mörsenbroicher Wohnsiedlung der Neuen Heimat aus den 70ern Fotografien gemacht. An Ort und Stelle zeigt er nun auch die Ergebnisse seiner Arbeit: surreale Werke, wie aus der Zeit gefallen. Von Thomas Hag

Josef Schulz hat bereits an vielen ungewöhnlichen Orten Bilder gemacht. An stillgelegten Grenzübergängen zum Beispiel - architektonische Strukturen, die in ihrer Strenge an die Fotografien seines Lehrers Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie erinnern. In seiner neuesten Arbeit spielt die Architektur erneut eine wichtige Rolle. Diesmal allerdings in anderer Weise: Denn Schulz hat Aufnahmen in einer Wohnanlage der Neuen Heimat aufgenommen. Und stellt sie dort nun auch aus.

Die sechzehn großformatigen Bilder, die unter dem Titel "Die Nachkommen des Herrn L." gezeigt werden, basieren auf einer Idee der Stylistin und Friseurin Erika Ruhl, die in ihrem Salon an der Grafenberger Allee gleichfalls häufig Kunst ausstellt. Die Fachfrau hat für Schulz Modelle zurechtgemacht, er setzte sie in einem Haus an der Ludwig-Beck-Straße ins Bild. Seine Arbeiten zeigen Menschen in Szenen, die stark filmisch beeinflusst sind. Zu sehen ist etwa ein Paar, das mit versteinerten Mienen am Esstisch hockt - er vor Salatblättern, sie vor einer bunten Mixtur aus Pillen. Ein anderes Bild zeigt einen Mann, der mit bezopfter Perücke das Funkenmariechen gibt. Und es gibt die Fotografie einer Frau, die in Frischhaltefolie eingewickelt im Heizungskeller gedankenverloren auf ihr Mobiltelefon schaut.

Auf den Fotografien sind Momente abgebildet, oft mit einem surrealistischen und auch suggestiven Touch, die dazu einladen, sich eigene Geschichten auszudenken. Schulz hat Interesse daran, den fotografischen Ansatz zu erweitern. Der Leiter der Kunsthalle, Gregor Jansen, schrieb einmal zu Schulz' Arbeit: "Die Aufnahmen von Josef Schulz sind somit auch vom Verlust und von Aufgabe geprägt. Hier ist etwas gescheitert, dessen Ursprung verborgen bleibt und dessen Kontext die Fotografien ganz bewusst ausklammern."

Josef Schulz, der im polnischen Bischofsburg geboren wurde, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie zunächst bei Bernd Becher und später bei Thomas Ruff, dessen Meisterschüler er war. Schulz' Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, zuletzt steuerte er etwas zu "Der typologische Blick" in der SK Stiftung Kultur in Köln bei, einer Schau mit 220 Arbeiten von Fotografen der Becher-Klasse.

In seiner Einzelschau entfalten Schulz' Bilder ihre Wirkung nun auch durch den Ort, an dem sie entstanden und ausgestellt sind. Der Fotograf hat sie allesamt in der Wohnanlage an der Ludwig-Beck-Straße angefertigt, die Anfang der 70er Jahre gebaut wurde. Das umfangreiche Foyer mit seinen holzgetäfelten Wänden versprüht eben dieses Flair, das den Bildern ihren besonderen Reiz verleiht. Im hauseigenen Schwimmbad, das eigentlich nur Bewohnern und Gästen zugänglich ist, im Partyraum oder im Aufzug begegnet man den Protagonisten, sie scheinen so wie das Foyer aus der Zeit gefallen.

Die Bewohner übrigens zeigen sich sehr zufrieden mit ihrer "Heimat", loben die solide Bauweise und die damit einhergehende Ruhe. Zu den Anwohnern gehört auch Erika Ruhl, die Ideengeberin, die selbst Ausstellungen macht. Nun ist eine Ausstellung praktisch zu ihr nach Hause gekommen.

Quelle: RP
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