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Düsseldorf
Oliver Schlicks Faible für Fantasy

Düsseldorf. Der 51-jährige Schriftsteller schreibt in Unterbilk spannende und humorvolle Fantasy-Romane für junge Leser. Von Sabine Schmidt

Seine Schneekugeln sind ein erster Vorgeschmack auf den Winter: Diese Gebilde, in denen es leise rieselt, wenn man sie schüttelt, spielen eine zentrale Rolle in Oliver Schlicks Jugendroman "So kalt wie Eis, so klar wie Glas". In seiner eigenen kleinen Sammlung hat er eine "Nightmare"-Schneekugel mit fies grinsendem Fantasiewesen. "Ich mag aber auch die Kugeln, die den Eindruck einer heilen Welt vermitteln". Mit dieser Bemerkung überrascht er bei einer Tasse Kaffee in der kleinen Kneipe "Seifen-Horst" in Unterbilk: Denn mit seinen langen Haaren und der dunklen Kleidung gibt sich der Autor nicht auf den ersten Blick als Fan idyllischer Szenen zu erkennen.

Viele Jahre war er Schlagzeuger in verschiedenen Bands. Im Gespräch trommelt er aber nicht, ist im Gegenteil ruhig und zurückhaltend. "Dass ich Schneekugeln mag, Blechspielzeug sammle und nach heilen Welten schaue, hat sicherlich mit meinem Berufsalltag zu tun", meint er: Seit 23 Jahren arbeitet er in der Jugendhilfe in Oberbilk, hat schon hunderte Teenager mit schweren Lebensgeschichten begleitet. "Zurzeit sind es viele junge Migranten, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind", erklärt der 51-Jährige.

Auf seine langen Schichten in einer betreuten Wohngemeinschaft folgen jeweils freie Tage, die er für seine Bücher nutzt. Seit 2006 hat er sich immer intensiver mit dem Schreiben befasst und verschiedene Seminare besucht. "Sehr gut mit konstruktivem Feedback waren die Kurse der Düsseldorfer Krimiautoren Sabine Klewe und Martin Conrath", erinnert er sich. Er wollte keine Krimis schreiben; ihn hat aber das Handwerk interessiert und die leichtere, unterhaltende Form von Spannungsromanen.

Die Kurse haben sich gelohnt: "So kalt wie Eis, so klar wie Glas" ist spannende, humorvolle, gut geschriebene "Romantasy" - eine Liebesgeschichte mit fantastischen Elementen für Leser ab 14. Für sie konnte Oliver Schlick mit Ueberreuter einen der renommierten Kinder- und Jugendbuchverlage gewinnen.

Er hat seinen Roman in der realen Welt des 21. Jahrhunderts verortet, lässt in sie aber Fantastisches einbrechen. Im Mittelpunkt steht eine 17-Jährige: Nach dem Tod ihrer Mutter zieht Cora zu ihrem Großvater nach Rockenfeld und verliebt sich dort in Niklas, einen geheimnisvollen Fremden, der jung aussieht, tatsächlich aber 700 Jahre alt ist. Rockenfeld ist ein idyllischer Ort, in dem die wichtigsten Schneekugel-Hersteller leben. Sie entwerfen Wintermotive, auch künstlerische Kugeln, Gebilde mit bizarren Szenen. Der Autor lässt seiner Fantasie und seinem Humor freien Lauf. Einen ironischen Hinweis auf das schicke Düsseldorf gibt es auch: Die Herstellerin der royalen Welten träumt davon, eine Schneekugel-Boutique auf der Königsallee zu eröffnen.

"Irgendwo verborgen unter den hunderten Kugeln, die es in Rockenfeld gibt, soll auch die erste sein, die jemals hergestellt wurde", verrät Oliver Schlick: eine geheimnisumwitterte Schneekugel, die der Teufel einem ihrer Vorfahren überreicht haben soll, erfährt Cora. Was es mit diesem Gebilde auf sich hat und mit der Rauhnacht, der Zeit zum Jahreswechsel, wenn das Geisterreich offen ist, muss sie herausfinden. Gemeinsam mit Niklas kämpft sie gegen Dämonen, unterstützt von zwei eigenwilligen, dabei liebevoll gezeichneten Romanfiguren: einem exzentrischen Jungen, den Cora an ihrer neuen Schule in Rockenfeld kennenlernt, einem Internat für schwer erziehbare Luxus-Kids; und einer Freundin ihres Großvaters, einer taffen Eishockey-Spielerin.

In Oliver Schlicks gelungenem Roman hat der Schauplatz seinen Namen von einem Ort, den es einmal gegeben hat: Rockenfeld bei Neuwied, wo der Autor aufgewachsen ist. "Der Name hat mir gefallen, angelehnt habe ich den Ort aber an Monreal in der Eifel", erzählt er. Seine Geschichte ist dennoch ein Düsseldorfer Kind, sagt er: "Geschrieben habe ich sie hier gleich um die Ecke in unserer Küche mit Blick auf das Stadttor."

Quelle: RP
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