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Düsseldorf
Älterer Herr in Frauenkleidern abzugeben

"Opa ist die beste Oma" feiert Premiere in der "Komödie" in Düsseldorf
Opa unerkannt als Nanny Georgina im braven Blüschen im Kreise seiner Lieben beim Schlechtwetter-Picknick daheim in London: Wolf-Guido Grasenick, Gernot Endemann, Raphaela Kiczka, Nadine Arents (v. l.). FOTO: Komödie
Düsseldorf. In der "Komödie" an der Steinstraße hatte der nicht immer logische Schwank "Opa ist die beste Oma" Premiere. Von Regina Goldlücke

Es fängt ganz munter an. Mutter Liz kehrt mit Tochter Kathy aus dem verregneten Urlaub in Schottland nach London zurück. Ein typischer Teenager in der Pubertät. Maulig, muffig, frech, rebellisch. Und enorm schlagfertig. Diese Mischung kriegt die Schauspielerin Raphaela Kiczka erfrischend gut hin. Sie wirkt mit ihren realen 25 Jahren optisch weit jünger und daher glaubhaft.

Aber braucht ein solches Mädchen noch die Betreuung einer Nanny, weil ihre Mutter nachmittags arbeitet? In diesem Stück schon, das jetzt in der "Komödie" Premiere hatte. Denn sonst würde die Geschichte von "Opa ist die beste Oma" nun mal nicht funktionieren.

Zunächst kommen die Dialoge auch recht witzig rüber. Wie die zustimmende Reaktion des Publikums zeigt, sind die Mutter-Tochter-Gefechte dem Leben treffsicher abgelauscht. Dann klingelt es an der Tür. Das Töchterchen öffnet widerwillig und wehrt den Mann mit Turban und Glitzerschal schnippisch ab: "Betteln Sie woanders." Da stünde ein indischer Penner, sagt sie zu ihrer Mutter.

Die nimmt den Eindringling unter die Lupe und erkennt entsetzt: "Das ist dein Opa." Abgetaucht in einen indischen Ashram, hatte er sich nie mehr um die Familie gekümmert. Jetzt, erleuchtet durch Yoga, zeigt er späte Reue und bietet an, seine Enkelin zu versorgen. Was ihm die dauerhaft zürnende Schwiegertochter (Nadine Arents) aber nicht zutraut. Lieber will sie über eine Agentur ein Aupair-Mädchen engagieren und setzt den eigens aus Kalkutta angereisten Opa ohne Mitleid auf die Straße. Doch da hat er schon Kathys Herz gewonnen. Die beiden werden zu Komplizen und hecken einen Plan aus: Was, wenn er sich als reifes Aupair-Mädchen bewerben würde? Die List geht auf, Liz ist hingerissen und fällt tatsächlich auf den verkleideten Opa herein. Allerliebst ausstaffiert mit Schottenrock, Schluppenbluse und grauer Löckchen-Perücke, macht sich Gernot Endemann als Georgina ans Werk. Womit wir beim unverwüstlichen Thema Männer in Frauenkleidern wären. Klar ist eine solche Nummer auf dem Boulevard noch immer eine ziemlich sichere Bank. Auch in der "Komödie" wird herzhaft gelacht über den zur Bilderbuch-Oma mutierten älteren Herrn. Über seine im Müll verschwundene Perücke, die notgedrungen eine absurde Duschhaube ersetzen muss. Oder seine chaotischen und schließlich vergeblichen Versuche, Spaghetti zu kochen. Ganz zu schweigen von den größeren und kleineren Pannen, die der Rollentausch sonst noch mit sich bringt. Sattsam bekannte Muster aus derlei Verwechslungskomödien, mal mehr, mal weniger amüsant.

Was jedoch zunehmend stört, ist die monotone Sprechweise, in die Gernot Endemann als sittenstrenge Nanny verfällt. Besonders, wenn es dann noch um lauter Belanglosigkeiten geht und auf der Bühne nicht wirklich viel passiert, wird man etwas eingelullt.

Die streckenweise dürftige Handlung bekommt durch Mutters feschen australischen Verehrer (Wolf-Guido Grasenick) vorübergehend etwas Pep. Enkelin und Opa möchten ihn gern loswerden und geben ihm einen hundsgemeinen Rat. Der Arme muss stottern, zappeln und sich übertrieben zum Affen machen. Am Ende haben sich trotzdem zwei glückliche Paare gefunden, denn auch der Opa entdeckt durch Ellen (Sabine Schmidt-Kirchner) neue Liebesfreuden und darf wieder der sein, der er ist.

Regisseur Florian Battermann gibt sich erkennbar Mühe, die Schwächen des Stücks durch eine flotte Inszenierung zu übertünchen. Und auch die Schauspieler waren bei der Premiere gut aufgelegt. Nicht einmal die mangelnde Logik an vielen Stellen wollen wir allzu kritisch beäugen, sie haftet vielen Schwänken an. Aber insgesamt taugt das Werk zu wenig mehr als zur sommerlichen Seifenblase. Ist ja nicht weiter schlimm. Belustige sich jeder, wie er mag. Freundlicher Applaus für das wackere Ensemble.

Quelle: RP
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