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Düsseldorf
Oswald Egger erinnert an den großen Dichter Oskar Pastior

Düsseldorf. An den Dichter Oskar Pastior sollte im Heine-Haus erinnert werden, vor allem aber an den Freund und Weggefährten, der oft in der Buchhandlung aufgetreten ist. Zuletzt vor zehn Jahren, wenige Tage, bevor Pastior auf der Buchmesse den Georg-Büchner-Preis erhalten sollte, aber kurz vorher starb.

"Jalousien aufgemacht, Jalousien zugemacht" - dieses erste "Gedicht" des Kindes Oskar Pastior leitete den Abend ein, gesprochen vom Dichter selbst. Alltagsworte, die der Vierjährige immer wieder vor sich hingesagt hatte, als er auf die Rückkehr der Mutter wartete. Unscheinbare Worte, die doch, erklärte Pastior auf dem eingespielten Band, schon auf die Nichtverlässlichkeit von Räumen verwiesen: 1945 wurde der Rumäniendeutsche in ein sowjetisches Arbeitslager verschleppt. Wie er mit Worten umging, sie in Laute zerlegte, zu Rhythmus und Melodie werden ließ, Sinn auflöste und neuen schuf, brachte der Dichter Oswald Egger zu Gehör.

Der 53-jährige hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht und fühlt sich Pastior eng verbunden. Es sei seltsam, wunderte sich Egger, dass zum zehnten Todestag kaum an den Freund erinnert werde: an den Sprachkünstler, der nicht nur mit seinen Gedichten Aufsehen erregt hatte, sondern zuletzt auch mit Gesprächen, die Herta Müller über seine Zeit im Arbeitslager mit ihm geführt hatte. Man kann vermuten, dass die Stille um Pastior unter anderem durch den Vorwurf verursacht wird, er sei IM der rumänischen Securitate gewesen. Ein übler Schatten, der im Heine-Haus keine Rolle spielte: Hier ging es um seine Gedichte, um seine ganz besondere Art, Sprache zu Gehör zu bringen.

(sab)
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