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Düsseldorf
Otto Pankoks klingende Passion

Düsseldorf. Am 50. Todestag des Malers spielt das Ensemble Saraband eine "Arabische Passion" in der Maxkirche.

Dass Otto Pankok, der glühende Antifaschist und Friedenssucher unter den Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie der Stunde Null, am 20. Oktober den 50. Todestag haben wird, beschäftigt Ilse Falk von der Pankok-Stiftung schon seit ein paar Jahren. In ihrem Kopf und Herzen reifte die Idee eines Konzerts mit dem "Ensemble Saraband", dessen Einspielung der Bach'schen Passionen sie besonders berührt hat. Nicht zuletzt, weil die orientalisierte und mit Jazz-Improvisationen durchsetzte Auseinandersetzung mit Bach sie an Otto Pankoks Passion erinnert: 60 Kohlezeichnungen aus den Jahren 1933/34, die ihn zum "entarteten Künstler" machten und dazu zwangen, sich und seine Familie vor dem Nazi-Terror zu verstecken. Die Figuren dieses Zyklus nämlich hatten Sinti und Roma zum Modell, die Pankok damals porträtierte, und denen er "Herrenmenschen" als Unterdrücker gegenüberstellte.

Ilse Falk bringt nun beides zusammen. Und noch ein Drittes. Denn zunächst hat sie das zwölfköpfige Ensemble, mit Mitgliedern aus aller Herren Länder engagiert. Dann hat sie die Idee aufgegriffen, Pankoks Passion beim Konzert zu zeigen - im Zusammenspiel mit Fotografien, die der Münchner Tobias Melle analog zu den Originalen geschaffen hat. Melle wird die Bilder auf Großleinwänden hinter dem Orchester inszenieren, als eine Art Überhöhung. So wird das Konzept der Musiker, die Bach in orientalische Musik übersetzen und als weiteren Bestandteil mit Jazz-Improvisationen (vom renommierten Modern String Quartet als Teil des Ensembles) kombinieren, um eine Facette erweitert.

Am Donnerstag, 20. Oktober, geht "das Wagnis", so Falk, nun über die Bühne der Maxkirche. Neben den besonderen Musikarten dürfte auch die libanesische Sängerin Fadia el-Hage eine Sensation sein, die die Bach'schen Arien auf arabisch singen wird. Gänsehautgefühle versprechen die Organisatoren. Immerhin 60.000 Euro nimmt die Pankok-Stiftung für diese Projekt in die Hand, dessen Finanzierung durch die Muziek Biennale Niederrhein, das Kultursekretariat NRW und einige private Sponsoren weitgehend abgesichert ist. "Wenn wir zu den Konzerten in Wesel, Pankoks Wohnort bis zu seinem Tod, und in der Maxkirche 800 Karten verkaufen, sind wir im Soll", sagt Ilse Falk zuversichtlich. In der Maxkirche erwartet Besucher noch ein weiteres synästhetisches Erlebnis: Im benachbarten Maxhaus wird am Freitag, 30. September, die neue Otto-Pankok-Ausstellung eröffnet. Sie heißt "Bewahrung der Schöpfung".

INFO Karten zum Konzert am 20. Oktober, 19.30 Uhr in der Maxkirche, kosten 25 Euro, Tel. 0211 9010252 oder eintrittskarten@maxhaus.de.

(kaum)
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