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Düsseldorf
Potpourri der Kuriositäten

Düsseldorf. Der Auftritt des US-Soulmusikers Mayer Hawthorne im Stahlwerk sorgte weder musikalisch atmosphärisch für Höhepunkte. Von Simon Langemann

Es gibt Konzerte, die sind eindeutig schlecht. Viel öfter gibt es jedoch solche, bei denen sich der Band kaum Offensichtliches ankreiden lässt. Warum sich etwa beim Gastspiel von US-Soul-Popmusiker Mayer Hawthorne nie jene Magie einstellte, für die sich der Gang durch das scheußliche Herbstwetter lohnenswert angefühlt hätte, fällt schwer zu ergründen.

Waren es die äußeren Umstände? Geschätzte 500 Fans waren gekommen, also mehr als genug für eine ausgelassene Party, jedoch entschieden zu wenig für das Stahlwerk in Lierenfeld. Den hinteren Teil des schlauchförmigen Innenraums verbarg ein schwarzer Vorhang, dennoch wirkte die Konzertstätte nur zur Hälfte gefüllt. Die meisten Anwesenden tanzten verhalten bis gelöst, trugen ein Lächeln im Gesicht, und doch wirkten sie irgendwie verloren in den ausladenden Weiten der Industriehalle.

Auf der Suche nach Schuldigen führt auch an der leidlichen Soundqualität kein Weg vorbei. Viel zu selten erklang Hawthornes versierte Stimme in Reinform - viel zu oft ging sie unter im entgleisenden Gewummer der Bässe. Und die Musik? Der 36-Jährige eröffnete die Show mit "Time For Love" und "Breakfast In Bed", zwei Stücken der aktuellen Platte "Man About Town", die die Gefühlspalette gleich gut umrissen: Es geht um Liebe, und es geht ums Wohlfühlen. Hier knüpfte auch das anschließende "Back Seat Lover" an: "If I gotta be your cheap back seat lover / well let's get it on then."

Dazu passte die wiederkehrende Ankündigung des Sängers, er wolle nicht viel reden, sondern so viele Songs wie möglich spielen. Und das tat er, hing sich für "Fancy Clothes" seine Fender-Gitarre um und setzte zum zweistimmigen Solo mit seinem Gitarristen Christian Wunderlich an. Was gerade noch wie eine Hommage an Metallica klang, mündete schon wenige Sekunden später in einen waschechten Reggae-Groove, inklusive Max-Romeo-Zitat ("Lucifer, son of the mourning").

Es war ein Potpourri der Kuriositäten - leider aber auch der abgegriffenen Motive. Hawthornes Band besteht zwar aus unbestrittenen Meistern ihres Fachs, allerdings ließ sich der vom Motown-Soul inspirierte Retro-Charme - auf den Studioalben mindestens die halbe Miete - live kaum wiedererkennen.

So ruhten die Hoffnungen der Zuschauer bald auf "The Ills", dem vielleicht hübschesten Stück aus Hawthornes Feder. Diesen Song veröffentlichte er vor sieben Jahren - es war einer seiner ersten Hits. Dass er ihn in einem gehetzten Medley abfrühstückte, dessen Überraschungseffekt schon durch die vorherige Ansage aller Titel verpufft war, passte letztlich gut ins Bild.

Quelle: RP
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