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Düsseldorf
Premiere zweier Dramen von Stephan Kaluza

Düsseldorf. Zwei kürzere Stücke hat der vielfach begabte Stephan Kaluza da auf die Bühne der FFT Kammerspiele gebracht, illustre Schauspieler setzen dort um, was auf den ersten Blick nicht zusammen zu gehören scheint. Zunächst ist da das indigene Volk der Yanomami, Bewohner des Regenwaldes, die in den 70er Jahren Objekte der Begierde amerikanischer Wissenschaftler wurden. Bianca Künzel, Moritz Führmann und Pierre Siegenthaler blättern die Geschichte auf, von der Entdeckung der "edlen Wilden", vom Zusammenleben mit und für sie, bis zu dem Augenblick, als Anteilnahme in Manipulation umschlägt, die von medizinischen Experimenten bis hin zu sexuellem Missbrauch reicht. Wir hören die Ethnologen und die Sprachforscherin, die Statements werden brachial von Ausschnitten aus "California Dreamin" von The Mamas & The Papas unterbrochen, der Zuschauer muss sich zwischen den Wahrheiten unterscheiden.

Wer ist Täter und wer Opfer? Tote hat es gegeben. Das gilt auch für das zweite Stück, in dem der Maler Francis Bacon und sein Liebhaber George Dyer auftauchen, und auch hier geht es um ein Ungleichgewicht der Machtverhältnisse. Dort der Maler, berühmt, gebildet, hier der Geliebte, einfach, unbekannt und sozial wankelmütig. Ob er denn die Versager anziehe, fragt der von Siegenthaler eindrucksvoll gespielte Bacon und die Antwort lautet: sicherlich. Moritz Führmann zeigt den unterlegenen Liebhaber zwischen weinerlicher Larmoyanz, wüstem Aufbegehren und Todessehnsucht.

Kaluza lässt die beiden Männer aufeinanderprallen, sie verhaken sich ineinander, seine Sprache wird beiden gerecht. Begeisterter Applaus für die Beteiligten. Thomas Hag

Quelle: RP
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