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Düsseldorf
Programmkino für daheim

Düsseldorf: Programmkino für daheim
Ausgewählte Filme gibt's nicht nur im Kino, sondern auch zum Herunterladen für daheim. FOTO: Rushlake Media
Düsseldorf. Die Filmkunstkinos der Stadt bieten einen neuen Service an: Passend zum aktuellen Programm im Kino wählen sie sehenswerte Filme aus und stellen sie zum Herunterladen auf ihre Homepage. Das kostet pro Film fünf Euro. Von Dorothee Krings

Vielleicht hat das Kino auch deswegen überlebt, weil es längst nicht nur ein Ort ist, an dem die neuesten Filme gezeigt werden. Vor allem Programmkinos mit thematischen Filmreihen und Retrospektiven sind auch Bewahrer von Filmkunst. Dort kann man jenseits des Mainstreams auf jene ungewöhnlichen Werke treffen, deren Geschichten und Bilder einen dann ein Leben lang begleiten - ausgewählt von Menschen, für die Film, trotz aller kommerziellen Zwänge, Leidenschaft ist.

Diese Kennerschaft sollen Filmfreunde nun auch für ihren Video-Abend daheim nutzen können: Die Filmkunstkinos der Stadt bieten auf ihrer Internetseite einen neuen Download-Service an. Interessierte können dort Filme herunterladen, die thematisch zum aktuellen Programm im Kino passen. Kommt also zum Beispiel Oliver Hirschbiegels neuer Film über den Hitlerattentäter Georg Elser frisch ins Kino, dann sorgt das Programmkino dafür, dass auch Klaus Maria Brandauers Verfilmung "Georg Elser - Einer aus Deutschland" online verfügbar ist. Damit hatte Brandauer 1989 als Regisseur debütiert.

"Früher haben wir in unseren Kinos viele Abende Repertoire gespielt, unser Filmwissen war immer unsere Bank", sagt Kalle Somnitz, einer der Leiter der Düsseldorfer Filmkunstkinos. Inzwischen müssten sich auch die Programmkinos stärker am aktuellen Angebot orientieren. Durch die neuen Vertriebswege im Internet hätten sich aber neue Anwendungsmöglichkeiten für ihr Filmwissen ergeben. "Viele Kinobetreiber klagen ja über das Internet und fürchten die Konkurrenz der riesigen Videoplattformen", sagt Somnitz, "wir versuchen, die neuen Kanäle selbst zu nutzen ." Ihr Publikum komme schließlich auch weiter ins Kino, weil es auf das Niveau ihrer Programmauswahl vertraue. "Diese Menschen haben sicher auch Interesse an unseren Tipps für Filme, die unser Kinoangebot ergänzen."

Fünf Euro kostet ein Download von der Seite der Programmkinos. Das ist mehr als bei vielen anderen Plattformen. Dafür müssen sich Nutzer unter www.filmkunstkinos.kino-on-demand.com nicht mühsam durch ein gewaltiges Angebot auch weniger wertvoller Filme wühlen - sie bekommen eine Auswahl präsentiert, für deren Qualität Somnitz und seine Kollegen einstehen.

Die Idee für dieses Angebot hat das Kölner Unternehmen Rushlake Media entwickelt. Düsseldorf ist Pilotstadt, die Programmkinos in Duisburg, Leverkusen und anderen Städten sollen folgen. "Erfahrene Kinobetreiber wie die Chefs in Düsseldorf sind Kuratoren ihres Programms", sagt Christoph Mathieu von Rushlake Media, "früher haben sie ihr Wissen genutzt, um Retrospektiven für ihre Häuser zu konzipieren, das verlegen wir nun einfach nach Hause zu den Zuschauern."

Gezahlt wird im Internet über den Bezahldienst PayPal. Wer das nicht möchte und bei der Anmeldung auch keine persönlichen Daten angeben will, kann stattdessen im Kino einen Gutschein kaufen. Darauf ist eine Code-Nummer angegeben, mit der sich dann im Internet der gewünschte Film ohne weitere Zahlungen herunterladen lässt.

Außerdem gibt es zu jedem Film eine kurze wertende Zusammenfassung, geschrieben von den Kinobetreibern. Die Zuschauer haben ihrerseits die Möglichkeit, ihre Meinung zum Film in einem kurzen Text öffentlich zu machen. Im Moment steht unter anderem Alejandro Inarritus starkes Drama "Biutiful" zum Download bereit. Ein Tipp, um das Werk eines Regisseurs besser kennenzulernen, der Anfang des Jahres mit seiner Tragikomödie "Birdman" unter anderem den Oscar für den besten Film gewonnen hat.

Quelle: RP
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