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Düsseldorf
Prominente sagen, was vom Leben bleibt

Düsseldorf: Prominente sagen, was vom Leben bleibt
Der kürzlich verstorbene Schriftsteller Günter Grass umgeben von eigenen Skulpturen - ein Foto von Bettina Flitner aus der Reihe "Was bleibt?" FOTO: Bettina Flitner.de/Initiative "Mein Erbe tut Gutes"
Düsseldorf. Im NRW-Forum zeigt Bettina Flitner Fotografien von elf Persönlichkeiten, die sich der Frage "Was bleibt" stellen. Von Thomas Hag

Was bleibt, wenn der Mensch diese Welt verlässt? Die Frage kann man ganz profan beantworten. Eine Menge Geld. Bis 2024 werden in Deutschland 3,1 Billionen Euro weitergegeben werden. Aber eine Hinterlassenschaft lässt sich nicht nur in Euro berechnen. Es sind auch die geistigen und kulturellen Werte, die jemand hinterlässt, das Bild, das er der Nachwelt hinterlässt.

Die renommierte Kölner Fotografin Bettina Flitner hat sich im Auftrag der Initiative "Mein Erbe tut Gutes" auf eine Spurensuche gemacht und elf Persönlichkeiten besucht, die mitten im öffentlichen Leben stehen oder standen. Zu denen gehört auch der Nobelpreisträger Günter Grass.

Flitner hat ihn wenige Monate vor seinem Tod besucht, hat sich auf das Thema gut vorbereitet, so sie es immer tut. "Ich betreibe gründliche Recherche, bevor ich jemanden fotografiere", sagt sie beim Rundgang durch die Ausstellung. "Günter Grass empfing mich recht mürrisch, Er wollte sich auch nicht lange mit der Sache aufhalten, und auf keinen Fall wollte er raus. Aber die Fotografin hatte schon den beeindruckenden Garten mit den Skulpturen des Künstlers Grass entdeckt. Es gelang ihr, ihn dort hinaus zu lotsen, wo er im Grünen sitzt, ein Teil der Landschaft, inmitten der Skulpturen, die wiederum selbst zum Teil der Landschaft geworden sind.

Zur Ausstellung mit dem Titel "Das Prinzip Apfelbaum, 11 Persönlichkeiten zur Frage ,Was bleibt?'" hat sie auch Fragen gestellt und die Gespräche aufnehmen lassen. "Es war ganz erstaunlich, wie sehr sich die Menschen diesen Fragen geöffnet haben, die für viele tabu sind." Offenbar hat die Fotografin damit etwas angestoßen und hat vielleicht die Möglichkeit eröffnet, über etwas nachzudenken.

Wie Grass starb auch Egon Bahr in diesem Jahr, und der Blick von ihm auf dem Foto, das in seinem Büro entstand, zeigt, was sein Leben prägte: Willy Brandt als Gemälde an der Wand und Willy Brandt als Plastik auf dem Schreibtisch. Bahrs Blick richtet sich auf ihn; was soll denn vom ihm bleiben? "Den Mut zu haben, das Undenkbare zu denken und auch danach zu handeln, ist das, was bleibt."

Oft zeigen Flitners Fotos die Menschen, die nicht als Persönlichkeiten, sondern als Personen über ihr Leben nachdenken. Eine der beeindruckendsten Aufnahmen zeigt die Verlegerin Friede Springer am See. Sie hat Schuhe und Strümpfe abgestreift und steht vor der Weite des Wassers und des Himmels. "Vielleicht bin ich das, was ein großes Bild komplett macht. Aber ein ganz kleines Steinchen nur."

Die Nobelpreisträgerin Christiane Nusslein-Vollhard geht durch einen klösterlichen Kreuzgang. Ganz weltlich hingegen das Bild der Geigerin Anne-Sophie Mutter ("Ich glaube, der Sinn des Lebens liegt darin, seine Seele zu verströmen, bevor der letzte Atemzug verbraucht ist"), die sich auf einem Stuhl des Münchener Rokoko-Theaters Cuvillés präsentiert. "Plötzlich strömte eine Gruppe japanischer Touristen in den Saal, und wer weiß, wie berühmt Mutter in Japan ist, der versteht, warum alle ihre Handys zückten", erzählt die richtige Fotografin. Bettina Flitner hat das Thema zu ihrem eigenen gemacht: "Die Frage, ,Was bleibt' eigentlich von einem Leben?', begleitet mich schon lange. Vielleicht bin ich deswegen Fotografin geworden. Denn das Fotografieren ist auch etwas, das gegen das Vergessen arbeitet."

Auch den Bergbezwinger Reinhold Messner - gezeigt wird er auf einem von Menschen gebauten Turm im Angesicht der Bergwelt - hat das Thema getroffen: "Alles, was ein Mensch auf dieser Erde geschaffen hat, hat nur Bestand, wenn es von anderen belebt und weitergetragen wird."

Richard von Weizsäckers Foto berührt ganz besonders. Man sieht einen alten Mann am Fenster stehen, im Schatten, während unter ihm im Sonnenlicht ein paar Kinder und Jugendliche ihrer Wege gehen. Ein sehr stiller Moment.

In diesem Sinne bleiben Flitners Bilder, weil sie neben ihrer kunstvollen Komposition zum Nachdenken auffordern, nicht laut, aber eindringlich.

Wer sich mit den Zielen der Initiative "Mein Erbe tut Gutes" näher beschäftigen möchte, kann das bei der Ausstellung tun oder sich im Internet unter www.mein-erbe-tut-gutes.de informieren.

Quelle: RP
 
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