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Düsseldorf
Protomartyr spielen den Sound der Abriss-Stadt

Düsseldorf. Die besten Konzertabende erlebt man zumeist dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. An diese Regel erinnert die Alternative-Band Protomartyr, als sie am Montagabend in Düsseldorf eine ihrer seltenen Deutschlandshows spielt.

Im Zentrum des Geschehens: Sänger Joe Casey. Mit seinem unförmigen Jackett, den Geheimratsecken im straßenköterblonden Haar und der blassen Haut verkörpert er eine seltsame Eleganz, die man spontan als typisch Britisch bezeichnen würde. In Wirklichkeit kommen Protomartyr aus Detroit und klingen so, wie man sich ihre Heimatstadt immer vorgestellt hat: düster, karg, trist und gnadenlos. Doch hinter dem scheinbar eintönigen Soundbrei verbergen sich, der Post-Punk-Tradition der 80er folgend, Stücke von mitunter fast schon erhabener Anmut. Drummer Alex Leonard hält die schroffe Fassade mit motorisch wiederholten Mustern aufrecht. Bassist Scott Davidson traktiert seinen Viersaiter mehr als autarkes Instrument denn als bloße Grundlage. Greg Ahee windet sich mit anmutigen Gitarrenmelodien aus dem Getümmel. Und Casey steht stoisch am Bühnenrand, eine Bierflasche in der rechten Hand, die linke am Mikroständer - sprechend, zeternd, in den seltensten Fällen auch singend.

Nach einer Stunde hat die Band ihr Repertoire weitestgehend ausgeschöpft; mit zwei alten Stücken als Zugabe finden sie den richtigen Abschiedsmoment. Im Kopf hinterlassen sie ein rustikales, graues Bild. Monotonie kann so schön sein.

Simon Langemann

Quelle: RP
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