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Düsseldorf
Rocker im Rathaus

Düsseldorf: Rocker im Rathaus
Thomas Geisel (SPD) mit LPs aus seiner Sammlung (v.l.): "Beggars Banquet" von den Rolling Stones, "The Freewheelin' Bob Dylan", "Sticky Fingers" von den Stones, "Desire" von Bob Dylan und "Sgt. Pepper" von den Beatles. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Oberbürgermeister Thomas Geisel stellt am Mittwoch im "Popmusikalischen Quartett" seine Lieblingsplatten vor. Sein Held ist Bob Dylan. Von Philipp Holstein

Lustige Szene gleich zu Beginn: Der OB entdeckt die Platten, die der Besucher mitgebracht hat. Er greift "New Morning" von Bob Dylan heraus, schaut auf die Liste der Lieder und ruft, wie jemand ruft, wenn er einen Freund trifft, den er Jahre nicht gesehen hat: "Ach, das gibt's ja nicht!" Dann fängt er noch in seinem Sekretariat an zu singen: "If not for you, Babe / I'd lay awake all night / Wait for the mornin' light".

Thomas Geisel ist Rocker, jedenfalls in Bezug auf seinen Musikgeschmack. Der 52-jährige Schwabe mag die Beatles, Stones und Dylan, und man hätte gar keine LPs mitzubringen brauchen, er hat nämlich selbst viele dabei - das Raussuchen sei wie eine Zeitreise gewesen. "Sgt. Pepper", "Beggars Banquet", "The Freewheelin' Bob Dylan": "Da haben Sie meine musikalische Sozialisierung." Seine Mutter habe mal seine Schallplatten verkauft. Sie sei der Meinung gewesen, dass er die nicht mehr höre. 150 Stück habe er besessen, sagt er stolz, und man findet es rührend, dass er meint, das sei viel. Allmählich habe er sich die meisten noch einmal gekauft - "Beggars Banquet" übrigens als israelische Pressung, die gab es günstig bei Zweitausendeins.

Das ist Thomas Geisel – OB in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

Am Mittwoch stellt Geisel seine Lieblingsmusik in der Bühnen-Talkshow "Das Popmusikalische Quartett" im Zakk vor, und dort wird er auch berichten, was ihn an Dylan so fasziniert: Dass der nämlich wie er selbst aus der Provinz stamme und in die große Stadt gezogen sei; Dylan allerdings nicht nach Düsseldorf, sondern nach New York. Und dass Dylan dann dort den größten Rocksong aller Zeiten geschrieben habe: "Like A Rolling Stone" - 1965, im Alter von 24 Jahren.

In Geisels Büro hängen vier Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, sie zeigen Hochöfen und hingen schon über Geisels Arbeitsplatz bei der Ruhrgas. An der anderen Wand entdeckt man ein Gemälde von Ernst-Wilhelm Nay. Dazwischen ein Bild mit der Aufschrift "Der beste Papa der Welt", ganz offensichtlich von Kinderhand erstellt. Sowas hängen Väter auf, damit sie darauf angesprochen werden. Will man denn auch gerne tun: "Ja", sagt Geisel, "ist von meinen Töchtern". Ach so.

Früher sei er in Fußgängerzonen aufgetreten, erzählt er, mit zwei Freunden habe er ein Flötentrio gehabt. Sie seien nach Stuttgart gefahren, hätten 360 Mark in drei Stunden verdient. Er spiele auch Gitarre und Mundharmonika, und diese Kombination ist natürlich von Dylan inspiriert: "Das erste Dylan-Konzert sah ich 1978. Eisstadion Mannheim, 29 Mark Eintritt."

Und Musik aus Düsseldorf? Kraftwerk etwa? "Ein Schatz", sagt Geisel sofort, "ganz wichtig, ein Leuchtturm." Das klingt arg offiziell. Was sagt sein Herz? "Mit elektronischer Musik kann ich persönlich nicht so viel anfangen", gibt Geisel zu. Bei Michael Jackson ende für ihn die Musikgeschichte. Er zuckt entschuldigend mit den Schultern.

Rocker halt.

Quelle: RP
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