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Veranstaltungs-Tipp
Rockiges Varieté auf der "Route 66"

Düsseldorf. Schnell, kompromisslos, mit rockiger Livemusik und atemberaubender Akrobatik: Das ist das neue Programm im Apollo Varieté. Von Birgit Wanninger

Eine Show - jung, frech, dynamisch: Wer hätte gedacht, dass selbst das gesetztere Publikum bei einer Presse- und Promi-Premiere nach Zugaben grölt und mit stehend dargebrachten Ovationen den Akteuren dankt. Das hat es in dieser Art in der fast 20-jährigen Geschichte des Apollo Varieté noch nicht geben. Ein Jungspund macht es möglich: Adrian Paul, Sohn von Apollo-Gründer und Roncalli-Direktor Bernhard Paul. Der 25-jährige Adrian hat ein atemberaubendes Programm zusammengestellt, führt Regie und bleibt dennoch dezent, manchmal sogar ein wenig schüchtern, im Hintergrund - als Gitarrist der Liveband "Mean Machine" um Sänger Max Buskohl.

Es geht rockig zu auf der legendären "Route 66", so der Titel des keine Minute langweiligen, fast dreistündigen Programms (inklusive Pause). Da spielt die Band klassische Rocksongs - von AC/DC über Aerosmith bis Led Zeppelin - und die Zuschauer aller Generationen sind begeistert. Paul jun. hat zu jeder Akrobatik-Nummer den passenden Song ausgewählt und legt sich wie auch die übrigen Bandmitglieder mächtig ins Zeug. Sehr zum Stolz seines Vaters Bernhard, der zur Premiere gekommen ist und die Einführungsansprache hält. Das macht er selten.

Durch das Programm führt ein scheinbar mies gelaunter, linkischer, echt schäbiger Moderator, der mit bösen Blicken das Publikum beschimpft ("Ich muss das hier nicht machen!") und nebenbei mit Zaubertricks verblüfft: Hieronymus heißt der Mann. Er polarisiert und besitzt bei seinen sarkastischen Witzen das perfekte Timing für die Pointen. Lange nicht mehr so gelacht. Doch einige Zuschauer konnten mit diesem Humor nichts anfangen. Dennoch: der beste Moderator im Apollo seit Jahren!

Die Künstler zeigen zum Teil noch nie dargebotene Akrobatik-Nummern. Wie Charlotte & Nicolas: Die Beiden präsentieren eine Hand-auf-Hand-Nummer der Spitzenklasse. Sie vereinen Tanz, Eleganz und Akrobatik mit höchsten Schwierigkeitsgraden. Dabei wirkt das Ganze so leicht, so spielerisch, so harmonisch - und ist dennoch ein absoluter Kraftakt.

Emily Kinch bezaubert mit ihrer selbst entwickelten Luftnummer am überdimensionalen Kronleuchter, während Igor Boutorine die Zuschauer mit seiner temporeichen Hula-Hoop-Darbietung schwindelig spielt.

Kraftvoll-elegant (und gut aussehend): Andrei und Aliaksandr am Reck. Sie zeigen eine technisch brillante Recknummer, die Höchstleistungsathletik mit ausgefeilter Artistik kombiniert. Pole-Akrobatin Anna Melinkova hingegen zieht an ihrer Stange das Publikum in ihren Bann. Was Mister Wow, alias Adrian Mathias, mit seinen drei rotierenden und hüpfenden Diabolos zaubert, das ist schon Weltklasse. Und auch die fünf Mädels vom "Ballett Route 66" sind sehr ansehnlich.

Ein Programm, bei dem eigentlich nichts auszusetzen ist. Lediglich der Auftritt der Dame in Rot als "Assistentin" des gut aussehenden Strapatenkünstlers Oleg Chudan, der Höchstschwierigkeiten präsentiert, ist kaum mehr als ein sinnloser Farbtupfer. Und wenn statt der Yamaha künftig eine Harley Davidson zu Beginn der Show von der Bühne mit ihrem klassischen Sound abdüst, dann wäre "Route 66" nahezu perfekt für einen unterhaltsamen Abend.

Infos Roncalli's Apollo Varieté, Apollo Platz 1, Vorstellungen mittwochs bis freitags, 20 Uhr, samstags 16 und 20 Uhr, sonntags 14 und 18 Uhr. Tickets kosten zwischen 19 und 39 Euro. Es gibt sie unter Telefon 0211 274000 und im Internet unter www.westticket.de.

Quelle: RP
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