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Düsseldorf
Rückkehr der ewigen Grantler

Düsseldorf. Die Fehlfarben gastierten in Düsseldorf. Die Musiker sind satirischer geworden. Von Thomas Hag

Irgendwann stellt man sich schon die Frage: Brauchen wir die Fehlfarben noch, brauchen wir Peter Hein und seine Texte? Haben wir nicht langsam genug davon, haben wir sie nicht noch im Ratinger Hof gesehen, mit dem Fehlfarben-Vorgänger Mittagspause, mit Tonbandmaschine und Markus Oehlen am Schlagzeug? Haben wir nicht genug gesehen und gehört von Charley's Girls und Janie Jones? Und von Family 5? Das war doch vor Jahren. Nach dem jüngsten Konzert der Fehlfarben im Zakk muss man zugeben: Doch ja, man braucht sie.

Wir haben doch niemanden, der Zeilen wie "Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat" geschrieben hat und sie immer noch singt, und keiner schreibt und singt "Hör mal, ich brech doch keinen Streit vom Zaun mit Generationen, die sich nichts mehr trauen".

Man befindet sich in guter Gesellschaft. Schließlich hat "Büchner"-Preisträger Rainald Goetz die Fehlfarben in seiner Dankesrede zitiert. Und sinngemäß gesagt: Die Jugend hat die Gesellschaft erobert, verwandelt, verbessert und ist selbst dabei zugrunde gegangen. Peter Hein singt im neuen Fehlfarben-Video: Davon geht die Welt nicht unter, dass man sie zerstört - und zeigt beim Singen sein unfassbar zerstörtes, eigenes Gesicht vor.

Man sollte sich die Fehlfarben aber keineswegs als Trauerredner einer verlorenen Generation vorstellen. Sie sind mit den Jahren satirischer geworden, die Zahl 60 ist nicht mehr weit, Helge Schneider und Karl Valentin rücken auch immer näher, und Peter Hein ähnelt zunehmend dem großen Grantler Mark E. Smith von The Fall. Doch die Musik, die bei "Monarchie und Alltag" noch ziemlich hüftsteif war, ist präziser, auch luftiger, eigentlich jünger geworden.

Die Fehlfarben bleiben eine Rockband, die auch vor derben Riffs, einem wuchtigen Schlagzeug und Saxofoneinlagen nicht zurückschreckt. Das klingt bei "Paul ist tot" fast nach Roxy Music. Denn Punk ist das nicht, war es auch eigentlich nie. Jetzt hat die Zeit die Fehlfarben eingeholt, vieles von dem, was sie singen, ist von einer Aktualität, die vielleicht gar nicht beabsichtigt war. "Rein oder raus" heißt es auf dem neuen Album "Über...Menschen". Großer Beifall im gut besuchten Zakk.

Quelle: RP
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