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Düsseldorf
Rundgang durch Düsseldorfer Galerien

Düsseldorf: Rundgang durch Düsseldorfer Galerien
Gerade in der Galerie Voss zu sehen: ein aktuelles Bild von Corrado Zeni ("Where are we now", Öl auf Leinwand) FOTO: Galerie Voss
Düsseldorf. Zwischen sinnlicher Farbkraft und schwarzem Humor - die Galerien der Stadt bedienen viele Geschmacksrichtungen. Drei Beispiele aus dem vor- und nachweihnachtlichen Angebot. Von Bertram Müller

Für Liebhaber des Südens Weiß gekleidete, barfüßige Menschen verlieren sich ernst oder ausdruckslos vor Landschaften, die von vertikalen Farbklecksen durchzogen sind. Über Corrado Zenis Gemälden in der Galerie Voss liegt das Licht des Südens. Unter der Sonne lässt er seine weißen, voneinander kaum Kenntnis nehmenden Einzelgänger an Flucht denken, von einem neuen Leben träumen.

Der Maler selbst dagegen scheint sich unter dem Licht des Südens wohlzufühlen. In Genua kam er 1967 zur Welt, in Genua hat er studiert, in Genua lebt er noch heute. Und seine symbolistischen Szenen, diese tanzenden, schreitenden Weißlinge mit Luftballons, scheinen ihren Schöpfer zu ernähren. Die farbkräftigen, vor allem durch Gelb akzentuierten Querformate von einem bis zwei Metern Länge eignen sich vorzüglich zur aufhellenden Dekoration von Räumen aller Art. Wer sich die Bilder von Nahem anschaut, wird allerdings feststellen, dass Detailarbeit nicht Zenis' Sache ist. Sein Thema "Lob der Flucht" bleibt vage. Es geht um die Flucht aus der Routine. Die Flüchtlinge von heute würden vermutlich viel darum geben, könnten sie in ihren gewohnten Alltag zurückkehren.

Für Freunde der Augentäuschung

Aus der Farbwelt des Südens in die Strenge des Nordens: Die Op-Art, die zurzeit die Räume der Galerie Hans Mayer füllt, ist ein Fall großartiger Augenwischerei. Quadrate, die teilweise mit einer Ecke nach unten zeigen, spielen dem Betrachter Streiche, indem sie jeweils eine geometrische Form vervielfachen, variieren und miteinander in Beziehung setzen. Wenn man an den Bildern vorübergeht, scheint sich Schritt für Schritt eine neue Komposition zu zeigen. Ausgedacht hat sich dies der Pariser Künstler Yvaral. In Wirklichkeit hieß er Jean Pierre Vasarely (1934-2002) und war der Sohn des berühmteren Victor Vasarely. Stilistisch liegen beide eng beieinander.

Die Düsseldorfer Schau stellt ausschließlich Werke aus den 60er Jahren vor, aus jener Zeit, bevor Yvaral begann, Bilder am Computer zu bearbeiten. Typisch für diese Phase erscheint die Arbeit, die der Ausstellung den Titel leiht: "Variation Chromatique". Das Quadrat mit einer Kantenlänge von 1,80 Meter lässt auf schwarzweißen vertikalen Streifen nahezu unmerklich einen Kreis aus Regenbogenfarben entstehen. Kompositorisch und handwerklich ist das perfekt, doch eignet sich solche Kunst nicht für jeden Ort. Denn bei längerer Betrachtung stellt sich wie bei aller Op-Art unweigerlich ein Flimmern ein.

Für sinnliche Philosophen Der 1970 in Düsseldorf geborene, heute in London lebende Markus Vater, der zurzeit in der Galerie Rupert Pfab ausstellt, zählt zu einer Generation von Künstlern, die sich wie selbstverständlich zwischen den Genres bewegt. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Animation, Video, Fotografie und Texte verbinden sich unter seinen Händen zu oft skurrilen, philosophisch grundierten Bildwelten. Sein Rüstzeug stammt unter anderem aus der Düsseldorfer Akademie. Dort studierte er bei Dieter Krieg und Alfonso Hüppi.

In der Galerie empfängt ein raumgreifendes Mobile mit Arbeiten auf Papier den Besucher. Die Gewichte bestehen aus hintergründig-humoriger Prosa des Künstlers und Zeichnungen. Wer sich in beides vertieft, wird rasch feststellen, dass bei Vater die Bilder oft aus Wörtern erwachsen. "Lichtpflücker" ist zunächst eine hübsche Neuschöpfung. Markus Vater verleiht dem Begriff die Gestalt eines Riesen, der in einem Gemälde über eine nächtliche Stadtlandschaft schreitet.

In einer Zeichnung lässt Vater auf makabre Weise den Philosophen aus sich heraus: Ein Mann stürzt sich von einer Brücke auf eine Eisenbahnstrecke. Bildunterschrift: "Der Mann veränderte seine Wesensform: Er wird eine Verspätung." In London gedeiht schwarzer Humor halt besonders gut.

Quelle: RP
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