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Düsseldorf
Sammler Gil Bronner eröffnet seine Skulpturenterrasse

Düsseldorf. Für die 250 Skulpturen des Sammlungshauses in Flingern gibt es jetzt eine Open-Air-Schau. Von Annette Bosetti

Sie stand in New York auf der High Lane, dann in Miami und Ostende am Strand, schließlich Open Air in London. Jetzt hat die große Stahl-skulptur von Kris Martin ihren festen Platz in Düsseldorf eingenommen. Triumphierend behauptet sie die einst schäbig wirkende städtische Lücke und gibt den Blick in den Himmel über Flingern frei.

Endlich hat das Rheinland eine Skulpturenterrasse. Die Düsseldorfer Museen haben so etwas Extravagantes bisher nicht, in Köln ist die kleine Aussichtsplattform des Museums Ludwig nicht wirklich im Bewusstsein der Besucher, und in Bonn war schon mal mehr los auf dem Dach der Bundeskunsthalle als zur Zeit. Gil Bronner hatte den Open-Air-Ausstellungsort beim Umbau zum Sammlungshaus in der Birkenstraße fest einkalkuliert; denn einen gewichtigen Teil seiner 1300 Stücke umfassenden Kunstsammlung nimmt das Skulpturen-Ensemble ein: etwa 250 Stücke zeitgenössischer plastischer Arbeiten.

Im Juni 2016 wurde das Haus und heute Abend um 18 Uhr wird die Terrasse eröffnet. Das alte Fabrikgebäude bot die passenden Flächen an, die Dächer halten die schwere Last aus. Bangkirai-Holz wurde verlegt, an den Rändern nehmen rankende Pflanzen Anlauf zum Rundumbegrünen. Spektakulär wächst die Kunst hier wie aus dem Nichts - zwischen enggebauten Häusern, Himmel und alter Bahnlinie.

Nach fast einem Jahr öffentlichem Betrieb sind die Besucherzahlen zufriedenstellend, aber nicht hervorragend. Die Idee, montags aufzuhalten, wenn alle Museen geschlossen sind, ist nicht aufgegangen. Künftig bleibt montags geschlossen. Dass man bis auf einen Tag (Donnerstag 16-20 Uhr) nur mit Führungen durch das Haus gehen kann, soll so bleiben. Leider konnte das Café immer noch nicht eröffnet werden, aber bis zum Sommer soll es werden. Die Betreibergesellschaft GZS, die auch Tonhalle und Kunstsammlung gastronomisch versorgt, wird auch außerhalb der Philara-Öffnungszeiten die Kulturkneipe mit Außenterrasse öffnen. Das wird mehr Menschen an den abgelegenen Standort ziehen.

Philara-Direktorin Katharina Klang möchte auch gerne verstärkt Schulklassen empfangen. Dass kleinere und größere Kinder kunstaffin sind und von Kunst profitieren, ist erwiesen; kürzlich meinte ein Kita-Junge in der Ausstellung, dass er sich gut vorstellen könnte, in einer Cloud (Wolke) von Tomas Saraceno zu wohnen. Auf der Website können sich Pädagogen informieren und mit Philara in Verbindung setzen.

Heute hat sich der VIP-Shuttle der Art Cologne angemeldet, frühmorgens reisen die Messebesucher im Bus an und nehmen als Erste die neue Terrasse in Augenschein. Bronner hat die Trommel gerührt und steht im offiziellen Begleitprogramm des internationalen Marktplatzes in Köln. Ab 18 Uhr kann jeder gucken kommen bei freiem Eintritt.

Die Terrasse ist noch sparsam bestückt. Weniger ist mehr, man will schließlich noch wachsen. Und nicht klotzen. Neben der Skulptur von Kris Martin, die Bezug nimmt auf den Genter Altar des flämischen Malers Jan van Eyck, ist eine Arbeit von Thomas Kiesewetter aus hochglänzendem Edelstahl aufgebaut. In der Sonne finden sich konkave und konvexe Formen zum Spiel über Statik und Licht - "Rise" heißt diese Skulptur, die man bei Sonne nicht ohne Augenschutz betrachten darf.

Der Schweizer David Rengglin hat mit gleißend pinkfarbenem Überzug einen abstrakten Akt gebaut, der zuvor schon in der Halle auffiel. "Reclining Nude" heißt diese Arbeit, die dank pulverbeschichtetem Aluminium wetterfest ist und sich durch ihre andere Materialität abhebt von den klotzigen "Nachbarn".

Mittendrin, auf einer marmornen Bodenplatte, liegt eine zarte plastische Arbeit der aktuellen Ausstellungskünstlerin Erika Hock. Diese extra für die Terrasse entstandene Auftragsarbeit bringt Poesie in das Ensemble auf dem Dach und lenkt den Blick auf mögliche Umdeutungen. Was ist, wenn man Lampen nicht aufstellt, sondern hinlegt, ihre Stangen und Halterungen entwertet? Nachts soll es immerhin leuchten. Hock bestreitet ab heute die vierte Wechselausstellung in der Sammlung Philara, eine noch junge, mittlerweile in Köln lebende Bildhauerin, die enormen Erfolg hat.

Bevor man die schwer zu ergründenden, transparenten, leichten Arbeiten der Reihe "Second Home" regelrecht durchstreift, trifft man eingangs auf die verkleinerte Nachbildung des Dreischeibenhauses. In ihrer Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie, so Hock, habe sie das Hochhaus, das als urbaner Raumteiler geplant worden war, immer wieder gedanklich umkreist. Als ausziehbaren japanischen Paravent hat sie es nun nachgebildet. Ein Manifest aus leichtem Material.

Hocks Arbeiten, so die Kuratorin, seien Resultate einer final nicht sesshaft werden wollenden Gesellschaft, formal sind es Hybride aus Design, Architektur und Mode. Interaktiv, rätselhaft, aber faszinierend. Die vielen farbigen Ketten machen Räume greifbar, aber lassen dabei die Mauern aus.

Quelle: RP
 
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