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Düsseldorf
Schauergeschichte über einen Massenmörder

Düsseldorf. Einige Jahre ist es her, als die Industrial Band "Throbbing Gristle" fragte: "Kann die Welt wirklich so traurig sein, wie es scheint?" Die Antwort: ein klares Ja, und sie ist noch viel trauriger als gedacht. In diese traurige Welt steigt Heinz Strunk hinab. Sein Roman "Der goldene Handschuh" lässt keinen Platz für den Humoristen Strunk. Den Zuschauern im so gut wie ausverkauften Zakk bleibt das Lachen so manches Mal im Halse stecken, als er aus dem Buch liest. Manchmal wird aus dem Räuspern ein nervöses Gelächter, das den Ausweg aus dem Aussichtslosen sucht, das die historische Hauptfigur Fritz Honka zum vierfachen Mörder werden lässt. Und manchmal bietet der Schriftsteller so etwas wie "comic relief" an, eine befreiende Komik, wenn er Honka eine Schiffstour machen lässt, der mit Kapitänsmütze den gnadenlos witzigen Reiseführer an Bord gibt, der pausenlos schlechte "Dönkes" erzählt.

Der Hamburger Zungenschlag ist für Strunk kein Problem, schließlich kommt er aus Hamburg-Harburg und imitiert trefflich die Gäste aus Honkas Stammlokal, dem titelgebenden "Goldenen Handschuh". Da wird er auch zum Sänger, wenn er Honkas Lieblingslied "Es geht eine Träne auf Reisen" von Adamo vorträgt. Nebenbei erzählt der Schriftsteller, um beim Schlager zu bleiben, dass er nicht auf seinen Debütroman "Fleisch ist mein Gemüse" reduziert werden will, so wie der unglückselige Sänger Rex Gildo, dem sein größter Hit "Fiesta Mexicana" schließlich zum Mühlstein wurde. Am Ende greift Heinz Strunk zur Querflöte und bringt die "Träne" zu Gehör. Schaurig.

(hag)
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