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Düsseldorf
Schauspieler mit Nebenjob Lebenscoach

Düsseldorf: Schauspieler mit Nebenjob Lebenscoach
Sebastian Goder (l.) und Pascal Breuer in "Der Vorname". FOTO: Theater an der Kö
Düsseldorf. Sebastian Goder ist in "Der Vorname" im Theater an der Kö zu erleben. Der 50-Jährige hat eine ungewöhnliche Biografie. Von Regina Goldlücke

In Lederkluft, den Helm in der Hand, kommt Sebastian Goder zum Interview. "Ich habe noch schnell eine Runde auf dem Motorrad gedreht", sagt der Schauspieler vergnügt. Eine spät entdeckte Leidenschaft: Den Motorradführerschein schenkte er sich voriges Jahr zu seinem 50. Geburtstag. "Dazu gehörte auch eine schwere Maschine, mit ihr könnte ich auf Weltreise gehen", erzählt er. "Vielleicht mache ich das eines Tages auch. Nie hätte ich gedacht, wie viel Freiheit ich beim Fahren empfinde. Es kommt mir vor wie das letzte Stückchen Rebellion oder Anarchie."

Das Motorrad nahm er von seinem Wohnort Ammerland bei München mit nach Düsseldorf, immerhin bleibt Sebastian Goder über Monate hier. Im "Theater an der Kö" spielt er in der französischen Komödie "Der Vorname". Darin läuft ein Abend im Familien- und Freundeskreis komplett aus dem Ruder. Es entzünden sich hitzige Debatten daran, ob man sein Kind "Adolf" nennen darf, in Frankreich eine kaum vorstellbare Provokation. Mit seinen spritzigen Wortgefechten ist das Stück auch auf deutschen Bühnen ein Renner. "Schon auf die Proben habe ich mich unglaublich gefreut", sagt Sebastian Goder. "Wenn René Heinersdorff Regie führt, geht das mit leichter Hand. Er lässt seinen Schauspielern viel Freiraum, jeder bringt eigene Ideen ein. Unser Ensemble fand schnell und wunderbar zusammen."

Mit seinem Münchner Kollegen Pascal Breuer brachte er es schon auf gut 1000 gemeinsame Theatervorstellungen. Die beiden sind dick befreundet, seitdem sie sich vor 15 Jahren auf dem Düsseldorfer Boulevard begegneten. Im "Theater an der Kö" sah man Goder zuletzt vor vier Jahren in Heinersdorffs Stück "Sei lieb zu meiner Frau". Seine Rolle als Musiker in "Der Vorname" reizte ihn: "Claude hat anfangs nicht viel zu sagen, ist aber an allem mit Empathie und Liebe beteiligt, obwohl er ständig einen übergebraten kriegt. Später lüftet er ein Geheimnis und schockiert die anderen."

Sebastian Goder fühlt sich an vielen deutschen Theatern zu Hause. Er war jahrelang an den Münchner Kammerspielen engagiert, absolvierte zahlreiche Tourneen, drehte viel fürs Fernsehen, ist Drehbuchautor und Regisseur. Eine Karriere ohne Stolperer. Aufgewachsen ist er als Sohn privilegierter Augenärzte in Ostberlin. Sein Vater gehörte in der DDR zum medizinischen Kader und durfte ins kapitalistische Ausland reisen. "Seine Familie musste als Pfand dableiben, damit er wieder zurückkam", berichtet Sebastian Goder. "Seit meinem 16. Lebensjahr wollte ich unbedingt raus. Meine Mutter bestärkte mich. Ich sollte entweder zur See fahren oder Schauspieler werden, damit ich eine Chance hätte, wegzukommen. Das alles besprachen wir im Wald, unsere Wohnung wurde ja abgehört."

Er studierte dann Schauspiel und führte mit einer Kreuzberger Theatergruppe Stücke auf, die in der DDR verboten waren. So lernte er eine Bremerin kennen, verliebte sich und wurde 1986 von ihr "rausgeheiratet". Um die Ausreise-Erlaubnis kämpfte das Paar noch drei Jahre lang, sie kam erst kurz vor dem Mauerfall. "Danach konnte ich nicht mehr in Berlin bleiben", sagt er, "die Vergangenheit holte mich überall ein." Die Ehe hielt nur kurz, man blieb befreundet. Sein Studium setzte Sebastian Goder an der Falckenbergschule in München fort. Haus an Haus mit Loriot, wurde ihm der Starnberger See später zur neuen Heimat.

Wegen einer "Liebesbeziehungskrise" mit seiner heutigen Lebensgefährtin, der Filmproduzentin Susanne Bähre, ereilte ihn "der Zusammenbruch meines Egos", wie er freimütig zugibt. Aus heutiger Sicht ein Glück, denn so kam der Schauspieler zu seiner zweiten Profession. Bei einem heilsamen Intuitions- und Mentalseminar in der Schweiz tat sich für Sebastian Goder eine neue Welt auf. Daraus entwickelte er nach einer Ausbildung in verschiedenen Techniken sein eigenes "MindLifeBalance"-Seminarsystem und arbeitet erfolgreich als Coach. "Nichts Esoterisches", beteuert er, "ich stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Aber ich kann Antworten auf Lebensfragen geben."

Einem ersten Film zu diesem Themenkreis soll im Sommer ein zweiter folgen: "Über Liebe im weitesten Sinn, zum Partner, zum Beruf, zum Leben. Und zu sich selbst. Das schafft nur, wer mit sich im Reinen ist. So, dass er morgens in den Spiegel schauen und sagen kann: Ja, ich find mich richtig gut."

Quelle: RP
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