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Düsseldorf
Schauspielhaus zeigt Hommage an Glenn Gould

Düsseldorf. Vom Lampenfieber dürfte er zwar nicht ganz verschont bleiben vor seiner Theaterperformance "Glenn Gould vs. Glenn Gould". Dennoch kann Danny Exnar mit einem beruhigenden Gefühl auf die Bühne des Großen Hauses gehen. Der 2011 in München uraufgeführte Abend bescherte dem Pianisten und Schauspieler sowie seinem Gegenpol, dem Countertenor Christopher Robson, glänzende Kritiken. Heute werden die Künstler in Düsseldorf zu erleben sein. Daneben gastiert Danny Exnar in Düsseldorf als Pianist Erwin Bootz in den "Comedian Harmonists" und verbindet auch hier zweierlei - die Schauspielerei und die Musik. Von Regina Goldlücke

Sein erster Klavierlehrer habe in ihm die Begeisterung für die kanadische Klavierlegende Glenn Gould (1932-1982) geweckt. Dessen unerreichte Interpretation der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach war auch für den jungen Danny ein Meisterwerk. Über die Musik hinaus faszinierte ihn die Persönlichkeit des genialen Künstlers, den er als "hochsensibel, hochkomplex und hochintelligent" beschreibt. "Er hatte ein wahnsinnig schnelles Gehirn. Aber er war auch voller Widersprüche, in seinem Leben und in seinen Aussagen."

Konsequent zog sich Glenn Gould aus dem Konzertbetrieb zurück, arbeitete im Tonstudio und in seiner Wohnung. Gefährten berichten von seiner Zerrissenheit. Einerseits spürte er das Bedürfnis nach Nähe, schaffte es aber nicht, es auszuleben. "Nähe war ihm unerträglich", erklärt Exnar. "Deshalb floh Gould in die Geborgenheit eines geschützten Raumes. Ich bin mir allerdings sicher, dass er die sozialen Netzwerke mit Vergnügen genutzt hätte."

Regisseur Gert Pfafferoth brachte Exnar und Robson zusammen. Er schätzt die Arbeit mit freien Künstlern. Losgelöst von den Zwängen des Spielbetriebs entwickelt sich ein "work in progress". Das Konzept von "Gould vs. Gould" steht im Gegensatz zu Goulds Leben. "Wir drehen den Spieß um, kommunizieren mit dem Publikum, genießen dessen Anwesenheit", so Exnar.

Christopher Robson wird gleichermaßen für seine Stimme und sein schauspielerisches Können bewundert - an der Bayerischen Staatsoper München, der English National Opera in London oder im Königlichen Opernhaus Kopenhagen. Der Countertenor kann bei "Glenn Gould vs. Glenn Gould" viele Facetten zeigen. Er singt als Barbra Streisand "Cry Me a River", ein altes amerikanisches Kirchenlied oder, wie bisher nie gehört, eine unbegleitete Version von Wagners "Liebestod" aus "Tristan und Isolde".

Zum Gesamterlebnis gehören neben der Musik und Texten von Glenn Gould und T.S. Eliot auch die kunstvollen Handpuppen von Anna Paniccia. Zentrales Element der Bühne ist der große Flügel von Yamaha.

Info Heute, 19.30 Uhr, im Großen Haus

Quelle: RP
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