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Düsseldorf
Schlaflos durch die Hochzeitsnacht

Düsseldorf. In der "Komödie" wurde nun das Stück "Sextett im Hochzeitsbett" uraufgeführt. Bei der Premiere brauchte das Stück von Katrin Wiegand seine Zeit, bis es in den drei Betten auf der Boulevardbühne zur Sache ging. Von Regina Goldlücke

Drei Türen und drei Schlafgemächer: ein grünes, ein pinkfarbenes, eines in Türkis. Soweit die sachliche Kulisse für "Sextett im Hochzeitsbett", ein Stück von Katrin Wiegand, das jetzt in der "Komödie" uraufgeführt wurde. Fast immer sind alle sechs Schauspieler gleichzeitig auf der Bühne. Doch trotz dieser hohen Frequenz tut sich zunächst nicht viel. Links schlüpft Mia (Verena Wüstkamp), die Ex-Freundin des Bräutigams, todmüde unter ihre Decke. Gutmütig teilt sie das schmale Bett mit dessen nerviger Mutter (Manon Straché), die kein Zimmer mehr bekommen hat und deshalb ordentlich Rabatz macht. Rechts im Bild kabbelt sich das längst entliebte Ehepaar Stefan (Stefan Gebelhoff) und Ilona (Jeannine Burch), eine ewig stichelnde Zicke im ultrakurzen Glitzerfummel und auf Mörder-Stöckelschuhen, die sie fortwährend aus- und anzieht. In der goldenen Mitte ruht das Brautpaar. Oder versucht es zumindest, nachdem Lars (Patrick Bartsch) es nach etlichen dussligen Anläufen endlich geschafft hat, seine Katharina (Henrike Fehrs) über die Schwelle und aufs Bett zu bugsieren.

So reizvoll der Ansatz ist, drei Handlungsstränge parallel verlaufen zu lassen, so schleppend gerät das zu Anfang. Wenn Menschen eigentlich schlafen wollen, wird naturgemäß nicht permanent geredet. Es gibt also viele Pausen. Um sie unterhaltsam zu überbrücken, bräuchte es mehr spritzige und weniger banale Dialoge. Diese in Text und Handlung schaumgebremste Passage erschwert auch die Regiearbeit von Rolf Berg. Und so dauert es eine ganze Weile, bis das vom Fest erschöpfte Sextett in Schwung kommt.

Großen Anteil hat daran die ausgefuchste Komödiantin Manon Straché. Sie zieht alle Register und mimt abwechselnd die personifizierte Glucke und die umflorte Tragödin. "Man fühlt sich alt, wenn der Sohn heiratet", haucht sie und prophezeit die baldige Scheidung. Da der Schlaf sich bei ihr partout nicht einstellen will, macht sie sich im schwarzen Pyjama auf Wanderschaft. Sie klopft beim Brautpaar an und nistet sich forsch in dessen Lager ein. Wer will in seiner Hochzeitsnacht schon mütterliche Sätze hören, die mit "Weißt du noch, damals" beginnen? Nebenan scheuchen die Geräusche aus dem Brautzimmer die hibbelige Ilona auf. Das Ohr angestrengt an der Wand, schnappt sie Gesprächsfetzen auf und gibt sie aufgedreht plappernd an ihren Ehemann weiter. Sie setzt ihm so lange zu, bis er hinaus auf den Flur flüchtet und auf dem Rückweg aus Versehen im Zimmer der verschreckten Mia landet. Verena Wüsthoff ist wunderbar als gar nicht mehr scheues Gänseblümchen. Urplötzlich entdeckt sie ihre zart knospenden Gefühle und gerät dadurch in Verwirrung. Umso schriller trumpft ihr Gegenpol Ilona auf. Ein dankbarer Part, den Jeannine Burch genüsslich und gekonnt auskostet.

Das duldsame und kreuzbrave Brautpaar hat es dagegen schwerer, Konturen zu gewinnen. Arg oft müssen die beiden die Decke über den Kopf ziehen und Anlauf nehmen für das, was man, nun ja, nach landläufiger Erwartung eben so tut in seiner Hochzeitsnacht.

Zum Schlafen kommt in diesen verrückten Stunden vor dem Morgengrauen jedenfalls keiner mehr. Da kann auch die gedudelte "Kleine Nachtmusik" von Mozart nichts weiter ausrichten. Das vor der Pause begonnene "Bäumchen-wechsle-dich-Spiel" in den drei Zimmern setzt sich danach munter fort und spitzt sich immer weiter zu. Bis es knubbelig eng wird im Brautgemach. Durch die nächtlichen Turbulenzen gerät das Stück schließlich doch noch sehr amüsant und macht dem Publikum großen Spaß. Bei der Premiere wurden die gut aufgelegten Schauspieler mitsamt ihrem Regisseur und der anwesenden Autorin Katrin Wiegand herzlich gefeiert.

Quelle: RP
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