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Fettes Brot
"Schlager haben doch gar keine Kanten"

Fettes Brot: "Schlager haben doch gar keine Kanten"
Mit Björn Beton (l.) und Dokter Renz (r.) macht König Boris (Mitte) seit 1992 gemeinsam Musik. FOTO: Jens Herrendorf
Düsseldorf. Mit ihrem Album "Teenager vom Mars" wagen Fettes Brot einen neuen, frischen Blick auf das Geschehen der Welt. Von Saskia Nothofer

Songs wie "Jein", "Schwule Mädchen" und "Emanuela" haben Fettes Brot berühmt gemacht. Anfang September ist ihr neues Album "Teenager vom Mars" erschienen. Neben spaßigen Texten enthalten die Lieder der Hamburger Hip-Hop-Band auch politische Botschaften. König Boris hat mit uns über Liebe, Schlager und falsche Statussymbole gesprochen.

Sie begeben sich auf Ihrem Album "Teenager vom Mars" freiwillig zurück in die Pubertät. Wieso tun Sie sich das an?

König Boris Wir fanden den Witz gut, uns in unserem fortgeschrittenen Alter als Teenager zu bezeichnen. Das erlaubt einen Perspektivwechsel. Man guckt anders auf das Geschehen. Diese Rolle gibt uns einen frischen Blick auf die Welt.

Und dann auch noch den eines Außerirdischen.

König Boris Das macht den Abstand noch größer. Erst wollten wir den Blickwinkel nur in einem Song einnehmen, haben ihn dann aber für die gesamte Platte verwendet.

Sie machen einige Anspielungen auf aktuelle Ereignisse. Wie beeinflussen diese Ihre Songs?

König Boris Wir verarbeiten in unserer Musik das, was uns als Personen beschäftigt, aber auch das, über das wir lesen und hören. Es kann also um Partys gehen, genauso werden aber die Probleme der Welt angesprochen. Wie das in die Songs einfließt, ist uns gar nicht so klar.

Ihr Video zu "Von der Liebe" heißt auch "Romeo und Julia in Gaza".

König Boris Das stimmt. Der Song handelt von Liebe, die vom Umfeld der Liebenden als falsch betrachtet wird. Gründe können Homosexualität, ein großer Altersunterschied oder eben - wie im Video - kulturelle Differenzen sein. Bei uns wird dies durch eine Israelin und einen Palästinenser, die sich lieben, schön symbolisiert. Es ist eine unmögliche Liebe.

Ohne Chance auf ein glückliches Ende?

König Boris Das steht nicht fest. Denn es gibt auch die Hoffnung, dass die Liebe zu einer Kraft wird, die Grenzen überwinden kann.

Von solch emotionalen Themen zur rebellischen Seite. In "Gegenmodell" sprechen Sie davon, was Sie alles nicht wollen - perfekte Frauen oder die Weihnachtsfeier im Edelhotel. Wie kann man es besser machen?

König boris Wir sind ja nicht doof. Das Gegenmodell haben wir absichtlich weggelassen. Wir haben nicht vor, den Leuten zu sagen, was das gute Leben ist. Schließlich sind wir keine klügeren Menschen. Es macht einfach Spaß, die Dinge zu hinterfragen und zu zeigen, dass ein vermeintliches Ideal nicht unbedingt erstrebenswert ist.

Bei "Alle hören jetzt Schlager" sind Sie aber deutlicher. Greifen Sie darin nicht Kollegen und Fans der Schlagerszene an?

König Boris Da sind wir expliziter, das stimmt. Das war eine bewusste Provokation. Es geht aber weniger um die Musiker. Eher wenden wir uns gegen die Leute, die es hören.

Wieso?

König boris In einer Welt, wie wir sie heute vorfinden, kann Schlager nicht ernst genommen werden. Denn er steht für kaum etwas, hat keine Kanten und erzeugt keine Reibung. Schlagerfans stehen für mich nicht nur für einen schlechten Musikgeschmack, sondern geben mir auch ein Bild von einer ignoranten Gesellschaft. Das ist für mich kein adäquater Umgang mit der Realität.

Kann man denn Musik nicht einfach mal genießen und die Probleme der Welt ausblenden?

König boris Klar, bei uns gibt es ja auch leichte Songs über's Biertrinken. Aber es muss eine grundsätzliche Haltung erkennbar sein. Wer das vollständig vermeidet, den kann ich nicht ernst nehmen.

In "Eure Autos" provozieren Sie auch.

König boris Ja, in der Hip-Hop-Szene ist das Auto ein großes Statussymbol. Meiner Meinung nach ist das überholt, und mich überkommt dabei ein Fremdschämgefühl. Es kann doch nicht sein, dass so etwas für das Selbstbewusstsein nötig ist.

Haben Sie selbst kein Auto?

König boris Ich habe noch nicht mal einen Führerschein. Mit dem Rad und einem Jahresticket für die Bahn komme ich gut zurecht.

Und Sie tun damit sogar etwas für die Umwelt.

König boris Stimmt. Fettes Brot macht Verkehrspolitik. (lacht) Aber im Ernst: Auf unseren Straßen sind viel zu viele Autos unterwegs.

Noch ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit. Viele Leute verbinden mit Fettes Brot alte Songs wie "Jein", "Schwule Mädchen" oder "Emanuela". Stört Sie das?

König boris Absolut nicht. Im Gegenteil - wir finden das großartig. Wir stehen zu unseren alten Hits, und es kommen ja immer wieder neue dazu. Bei unseren Konzerten spielen wir auch eine Mischung aus alt und neu. Die knapp zwei Stunden sollen schließlich gefüllt werden.

Quelle: RP
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