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Düsseldorf
Schloss Jägerhof soll nicht verkauft werden

Düsseldorf. Oberbürgermeister Geisel sprach sich für eine Teilsanierung aus. Die Zukunft des Goethe-Museums im Schloss bleibt ungewiss. Von Lothar Schröder

In der Debatte um die Zukunft des Goethe-Museums ist gestern ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Wie die ganze Geschichte aber ausgehen wird, bleibt erst einmal fraglich. Zunächst: Das Kellergeschoss - aus dem die Archivbestände schon vor längerer Zeit ausgelagert werden mussten - soll schnellstmöglich saniert werden. Darauf verständigten sich gestern Oberbürgermeister Thomas Geisel und die Kuratoriums-Mitglieder der Kippenberg-Stiftung.

Das hört sich zeitnaher an, als es die Praxis am Ende zulässt. Denn zunächst muss ein genauer Sanierungsplan erstellt werden, der dann dem Rat vorgelegt wird. Nach einer ersten und naturgemäß groben Schätzung wird eine Summe von rund einer Million Euro nötig sein.

Da die Abwasserleitung um das Gebäude herum undicht ist, muss diese neu verlegt werden; anschließend wird man die Außenwände abdichten. Im kommenden Jahr wird das alte Schloss Jägerhof aus dem 18. Jahrhundert - das Museum samt Goethe-Sammlung beherbergt - wahrscheinlich von einer Art Schützengraben umzingelt sein, der allein der Wasserabwehr dient. Das ist zwar nicht sonderlich schön und dürfte auch dem Besucherandrang kaum förderlich sein; doch zeigte sich Kuratoriumsvorsitzender Winfried Tilmann mit der Zusage zufrieden.

Zumal der Oberbürgermeister in der Kuratoriumssitzung auch allen Gerüchten entgegengetreten sein soll, die Stadt wolle sich vom sanierungsbedürftigen einstigen Lustschloss von Karl Theodor vollständig trennen. Gemunkelt wurde bereits von einem Verkauf ans Land Nordrhein-Westfalen, das angeblich im alten Gemäuer ein historisches Museum unterbringen wollte. Ein nicht ganz unheikles Unterfangen wäre das geworden, beherbergte das Schloss in den 1940er Jahren doch die Gauleitung der örtlichen NSDAP. Solche Verkaufspläne existieren nicht.

Die weitere Zukunft des Museums mit einer Goethe-Sammlung, deren aktueller Wert auf rund 50 Millionen Euro geschätzt wird, scheint damit aber keineswegs gesichert zu sein. Zumindest nicht am Pempelforter Standort, in dem bedeutende Hinterlassenschaften des Dichterfürsten seit beinahe drei Jahrzehnten untergebracht sind. So ist die Trockenlegung der Kellerräume nur eine Teilsanierung, mit der die Archivierung im Schloss wieder gewährleistet werden kann. Eine vollständige Renovierung des Hauses ist umfänglicher, das heißt auch zeit- und kostenaufwendiger.

Trotz der voraussichtlichen Bauarbeiten im kommenden Jahr dürfte über Umzugspläne der Institution weiter nachgedacht und auch diskutiert werden. Auch dies soll in der Kuratoriumssitzung zur Sprache gekommen sein. Seit seinem Amtsantritt wird Oberbürgermeister Geisel nicht müde zu erklären, bei der Kulturförderung stärker als bisher Schwerpunkte setzen und das Geld nicht mehr mit der Gießkanne verteilen zu wollen. Dazu gehört auch die Konzentrierung von Literatureinrichtungen in der Carlstadt. Das literarische Zukunftsprojekt hat einen Namen: die "Straße der Romantik und Revolution" heißt es und meint die Bilker Straße. Dort liegen das Heinrich-Heine-Institut und das Schumannhaus. Wo dort der Düsseldorfer Goethe mit Sammlung und Museum angemessen unterkommen könnte? Für das Kuratorium der Kippenberg-Stiftung bleibt Schloss Jägerhof erste Wahl, zumal dieser Ort auch mit Goethes Besuch in der Stadt identifiziert wird. Jetzt wird erst einmal der Keller saniert. Dann werden weitere Gespräche mit der Stadt geführt. Das Goethe-Museum bleibt also eine Baustelle - wahrscheinlich sichtbar am gestreiften Absperrband, das 2016 auch die Geburtstagsfeier des Dichters am 28. August bekränzen wird.

Quelle: RP
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